Verliebt, in Istanbul

 Seit meiner ersten Reise in den 1980er Jahren bin ich verliebt.

In Istanbul, die weltweit einzige Stadt, die auf zwei Kontinenten liegt. Hier trifft Europa Asien, hier werden Einflüsse aus beiden Welten auf faszinierende Weise miteinander kombiniert. 

Mit rund 15,8 Millionen Einwohnern im Jahr 2021 ist Istanbul die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei. Damit leben in der Metropole fast dreimal so viele Menschen wie in Ankara, der Hauptstadt der Türkei, mit etwa 5,8 Millionen Einwohnern. Der Ballungsraum Istanbul macht insofern nahezu ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der Türkei aus. Im Jahr 658 v. Chr. wurde die griechische Stadt Byzanz am Bosporus gegründet. Siedlungsort war das Goldene Horn, das gemeinsam mit dem Marmarameer eine Halbinsel mit einem Naturhafen bildet. Durch einen regen Handel am Schwarzen Meer gelangte sie rasch zu Wohlstand. Die zunehmende Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reichs veranlasste Kaiser Konstantin sie im Jahr 330 n. Chr. nach sich selbst (Konstantinopel) zu benennen und zum Regierungssitz zu erheben. Die neue Hauptstadt sollte ein verbessertes Abbild Roms werden. Das Neue Rom (Nova Roma) hatte ebenfalls sieben Hügel und dieselben Privilegien wie das alte. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Konstantinopel seinen Status als Hauptstadt der Türkei an Ankara. Erst 1930 wurde sie auf ihren volkstümlichen Namen Istanbul umbenannt. Der Name soll sich aus dem Griechischen „eis ton polin“, übersetzt „zur Stadt“ ableiten.

Zwei Flugstunden von Wien entfernt

Um einen allerersten Eindruck von Istanbul zu bekommen, reicht oft schon ein Wochenende. Von Wien etwa ist man in zwei Flugstunden in der Millionenmetropole. Ich verbinde meine Langstreckenflüge mit Turkish Airlines am Rückweg immer gerne mit einem Stopover von zwei bis drei Tagen in der einzigen Stadt die auf zwei Kontinenten gebaut ist. Check-In ist im Februar dieses Jahres frühmorgens im The Marmara Pera. Die frühe Ankunft ergibt praktischerweise einen weiteren Tag für Besichtigungen und einem sich Treiben lassen im Gewühl der quirligen Stadt am Bosporus. Die Hotel-Location gleich neben dem historischen Luxushotel Pera Palace erweist sich als hervorragend, denn mein Zimmer im 12. Stockwerk bietet einen grandiosen Ausblick vom Topkapi Palast über die Hagia Sofia zur Blauen Moschee und weit darüber hinaus. Zudem liegt sie etwa drei Gehminuten von der berühmten Istiklal Straße entfernt. Dort befinden sich nicht nur repräsentative Stadtvillen des 19. Jahrhunderts, sondern auch die röm.-kath. Basilika St. Antonius oder der Taksim-Platz. Mit meinem Reiseführer Cengiz treffe ich mich zu Mittag in der Lobby. Er kennt seine Stadt natürlich wie seine Westentasche und hat viele gute Tipps parat.

Der Bosporus ist Istanbuls Lebensader

Mit einer Breite von bis zu 3,2 km und einer Länge von 32 km teilt die berühmte Meerenge zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer die Stadt in die beiden Kontinente Europa und Asien. Das Stadtgebiet befindet sich auf beiden Seiten. In den Basaren, Einkaufsstraßen, Teehäusern und Restaurants Istanbuls pulsiert das Leben von Früh bis Spät. Die Altstadt wird gekrönt von der Silhouette zahlreicher sehenswerter Bauwerke. In Istanbul treffen die architektonischen Zeugnisse zweier großer Kulturen aufeinander, die des Byzantinischen und des Osmanischen Reiches. Wer heute über den Sultan-Ahmed-Platz flaniert, kann in der parkähnlichen Anlage noch die Überreste der historischen Pferderennbahn, das antike Hippodrom Konstantins, erkennen. Es wird angenommen, dass es eine Länge von 450 m und eine Breite von 130 m hatte und Platz für 100.000 Zuschauer bot. Heute zählt es mit dem ägyptischen Obelisk von Theodos, der Schlangensäule und der Konstantinsäule zum UNESCO Weltkulturerbe.

Sightseeing

Von dort gelangt man zu den bedeutendsten Sakralbauten: Die Hagia Sophia, einst größte Kirche der Christenheit, war über Jahrhunderte die größte Kathedrale der Welt. Ihre massive Silhouette überragt seit fast 1500 Jahren Istanbul. Im sechsten Jahrhundert wurde sie als Kirche gebaut, 1453 zur Moschee umgewandelt, 1934 machte sie Atatürk zum Museum und 2020 Präsident Recep Erdogan wieder zur Moschee. Wegen ihrer schwebenden Kuppel galt sie in der Spätantike und im Mittelalter als achtes Weltwunder. Die Sultan-Ahmed-Moschee, das Meisterwerk osmanischer Baukunst, beeindruckt durch seine harmonischen Proportionen, seiner Hauptkuppel, sechs Minarette und acht Nebenkuppeln. In den unteren Ebenen und an jedem Pier ist sie mit mehr als 20.000 handgefertigten Keramikfliesen aus Iznik, dem alten Nicäa, ausgekleidet. Die oberen Ebenen sind von blauer Farbe dominiert. Aus diesem Grund wird sie auch Blaue Moschee genannt. Sie gilt als die letzte große Moschee der klassischen Bauweise.

Der Topkapı Palast war für lange Zeit der Wohn- und Regierungssitz der Sultane wie auch das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reichs. Im Gülhane Park noch innerhalb der Palastmauern liegt das Archäologische Museum, welches 1991 den Museumspreis des Europarates erhalten hat. Seine Sammlungen umfassen rund 15.000 archäologische Stücke aus Mesopotamien, aus der assyrischen, sumerischen, akkadischen, babylonischen und ägyptischen Antike, dem prä- und früh-griechischen Anatolien, sowie der vor-islamischen und islamischen arabischen Kultur.

Orient und Okzident

Die Galatabrücke führt über das Goldene Horn und verbindet Kulturen. Sie ist ein Ort an dem sich Orient und Okzident begegnen. Jeder, der nach Istanbul kommt, lässt sich hier gerne fotografieren. Auf zwei Etagen findet man hier alles was mit Fisch zu tun hat. Schon frühmorgens trifft man auf der Brücke zahlreiche Angler, rund um sie stehen Kübel mit Ködern, Bleien, Blinkern & Co. Verspeist man auf der unteren Etage seinen Fisch in einem der vielen Restaurants, kann es durchaus passieren, dass ein Fisch vorbeischwebt, welchen der Angler gerade an Land zieht.

Ein Spaziergang über die Karaköy Street führt zum 67 m hohen Galataturm, einem Relikt der genuesischem Kolonie in Istanbul. Ursprünglich um 527 unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I. als Teil der Verteidigungsanlage errichtet, zählt er zu den ältesten Türmen der Welt und ist ein Wahrzeichen Istanbuls. Von hier aus genießen Besucher einen der spektakulärsten Ausblicke auf die Stadt. Die Ausstellungen besichtigt man am besten auf dem Weg von oben nach unten. Einer der Höhepunkte ist der Simulationsflug von Hezarfen Ahmet Celebi, der 1638 vom Galataturm über den Bosporus auf die asiatische Seite der Stadt geflogen sein soll.

Istanbul als Einkaufsmekka

Tausende Händler bieten in Istanbul ihre Waren an, in der Installateurgasse, in der Goldgasse, in der Lampengasse. Am berühmten Großen Bazar befinden sich auf einer Fläche von 45.000 Quadratmetern 4.400 Shops und 180 Straßen und Gassen, die zwischen 15. und 19. Jahrhundert immer wieder ausgebaut wurden. Er ist wohl die größte Shoppingmall der Welt. Kein Wunder, dass er jährlich über eine halbe Million Besucher anlockt. Jeder Bereich ist auf ein bestimmtes Gewerbe oder Handwerk spezialisiert. Daher trägt auch jede der 60 überdachten Handelsstraßen den Namen eines bestimmten Gewerbes. Feilschen ist hier üblich, zögern Sie also nicht, einen anderen Preis als den angebotenen vorzuschlagen. Dasselbe gilt für den Ägyptischen (Gewürz-) Bazar, der Name deshalb, weil er mit Steuereinnahmen aus Kairo erbaut wurde. Der Gewürzbazar bedarf keiner Erklärung, denn hat man nur einen Blick ins Innere geworfen, ist klar, dass hier eine höchst verführerische Aufmachung aus exotischen Gewürzen, Teesorten und orientalischem Naschwerk (Turkish Delight) feilgeboten wird.

Istanbul modern

Am Zusammenfluss von Goldenem Horn und Bosporus am europäischen Ufer von Istanbul liegt Galataport im angesagten Hafenviertel Karaköy mit seinen traditionellen Bäckereien, hippen Cafés und familiengeführten Geschäften. Auch Galataport befindet sich hier, ein Großprojekt inklusive neuem Kreuzfahrthafen und modernem Einkaufsparadies. Auf 400.000 Quadratmetern befinden sich hunderte Geschäfte und Restaurants, ein Hotel und ein Museum für moderne Kunst. Wenn ein Schiff anlegt, hebt sich die Uferpromenade zu einer senkrechten Mauer, die es von außen abriegelt. Nachteil für Besucher der Promenaden-Restaurants: Solange ein Schiff im Hafen liegt, muss auf die schöne Aussicht auf die Altstadt-Halbinsel verzichtet werden.

Sehenswert

Bevor ich nun endgültig die Heimreise nach Wien antreten muss, schaue ich mit Cengiz noch in der Theodosius-Zisterne (Şerefiye Sarnıcı) vorbei. Hier handelt es sich um eine gedeckte Zisterne im Stadtteil Binbirdirek. Nach einer achtjährigen Renovierungszeit wurde sie der Öffentlichkeit wieder zugängig gemacht. Das Bauwerk wird für Konzerte genutzt und mit einer Lichtinstallation ausgeleuchtet. Sehr zu empfehlen!

Sightseeing macht hungrig, Guide Cengiz kennt die besten (Einheimischen-) Restaurants:

Divan Brasserie Beyoglu – großartige Aussicht

 Emirgan Sütiş am Bosporus – tolle Frühstückslocation

Köfte as it´s best

Baklava und einfach nur Köstliches

Galata Marmara Balik – Fisch und Meeresfrücht auf der unteren Etage der Galatabrücke

Guvenckonyali – Okrasuppe, Pide & Co   

Hoteltipps

The Marmara Pera – hippes Hotel für alle Altersgruppen mit ausgezeichnetem Frühstück und Traumaussicht über Istanbul

Pera Palace Hotel – Luxus pur

Flüge

Business-Class mit Turkish AirlinesGrößter Flughafen der Welt

Place to be: die Business-Class Lounge von Turkish Airlines

Kontakt Guide

Cengiz Altunaş

altunascengiz@hotmail.com

Mein Reiseverlauf

Meine Reise startete ich mit meiner Tochter Constanze im Jänner 2022 in Wien und flog mit Turkish Airlines über Istanbul nach Mauritius. Unsere Business-Class Ticket machten auch den Aufenthalt in der Business-Class Lounge in Istanbul möglich. Allein diese Lounge ist einen Besuch wert und ich nehme mir immer gerne auch etwas länger Zeit dafür.  Mein ganz persönlicher Lieblingsbereich in der Lounge ist der Tea-Room. Durch das immens große Angebot an Geschäften im IGA Istanbul Airport, dem größten Flughafen der Welt, schlendere ich aber auch immer wieder gerne herum denn es gibt fast jedes Mal wieder etwas Neues zu entdecken. Unser Handgepäck ist währenddessen sicher in einem der Schließfächer der Lounge verstaut.

Fotos: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

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