Zu viele Antibiotika machen dick

Medikamente. Foto: Klicker_pixelio.de
Medikamente. Foto: Klicker_pixelio.de

Mikrobiologe: Zerstörung nützlicher Keime rächt sich.

Die häufige Verabreichung von Antibiotika könnte ein weiterer der vielen Faktoren sein, warum Übergewicht und andere Krankheiten in vielen Industrieländern auf dem Vormarsch sind. Das vermutet Martin Blaser vom New York University Langone Medical Center in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“. Neben den Krankheitserregern werden auch schützende Bakterien des Körpers durch Antibiotika zunehmend verdrängt, so die Argumentation des Mikrobiologen.

Hohe Kosten für Körper

Antibiotika haben wesentlich zur Erhöhung der Lebenserwartung beigetragen, stellt Blaser außer Zweifel. Daneben hat ihr Einsatz jedoch auch Probleme geschaffen, zu denen neben der Bildung resistenter Erreger auch die Veränderung der Bakterienbesiedlung des menschlichen Körpers zählen dürfte. Unser Verdauungstrakt, die Schleimhäute und die Haut beherbergen eine große Anzahl von Bakterien, die zum Großteil nützlich sind. Sie helfen etwa bei der Vitamin-K-Aufnahme oder bei der Verdauung komplexer Kohlehydrate, dürften jedoch auch Infektionen oder laut Blaser sogar Autoimmunerkrankungen abwehren.

Die häufigen Antibiotika-Gaben – 18-Jährige haben in den USA zehn bis 20 Antibiotika-Therapien hinter sich – zerstören neben gefährlichen Keimen auch nützliche Flora, die teils nie mehr ins Gleichgewicht kommt, warnt Blaser. „Krankheiten wie Fettsucht, Typ-1-Diabetes, Darmentzündungen, Allergien und Asthma verschlimmern sich dadurch“, so sein Verdacht. Verfettung durch Antibiotika ist aus der Tierhaltung bekannt und wird mancherorts durch Futterbeimengung sogar gefördert. Diesen Effekt geringer Dosen über lange Zeiträume könnte die Medizin auch durch wiederholten kurzen Einsatz hoher Dosen bewirken.

Sparsam und zielgerichteter

Komplizierter wird die Situation bei Bakterien, die sowohl Vor- als auch Nachteile bringen. Blaser beforscht seit 20 Jahren das Darmbakterium Helicopter pylori, das ein Auslöser für Magenerkrankungen und Geschwüre ist, zugleich jedoch die Speiseröhre schützt. Der früher bei allen Menschen anwesende Erreger verschwindet zunehmend und ist heute nur mehr bei sechs Prozent der Kinder nachzuweisen. Magenkrebse und Geschwüre wurden in Folge selten. Erkrankungen der Speiseröhre nahmen jedoch schlagartig zu, zudem leiden Kinder ohne H. pylori laut Blasers Studien auch öfter an Asthma, Heuschnupfen oder Hautallergien.

Kritisch bewertet die Infektiologin Petra Apfalter von der AntibioticStewardship Group http://www.abs-group.at diese Aussage. „Übergewicht wie auch viele andere der vorgeschlagenen Krankheiten sind nicht auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Die Rolle von Antibiotika hier genau zu identifizieren scheint kaum möglich.“ Blasers Empfehlung, Antibiotika kritisch einzusetzen, weiter nach Techniken einer schnellen Ermittlung des genauen Problemerregers zu suchen und diesen dann spezifischer anzugreifen, unterstützt jedoch auch die Linzer Expertin.

pte

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