Fersensporn und Co – Stoßwelle ist nicht gleich Stoßwelle

Wenn Schmerzen zur Qual werden

Die fokussierte Stoßwellentherapie wird unter anderem bei Fersensporn eingesetzt. Foto (c) WARDA.
Die fokussierte Stoßwellentherapie wird unter anderem bei Fersensporn eingesetzt. Foto (c) WARDA.

Das Einsatzspektrum der Stoßwellentherapie bei chronischer Entzündung der Achillessehne, Fersensporn sowie Tennis- und Golferellbogen.

Nicht nur Leistungssportler, sondern auch Menschen mit Volkskrankheiten wie Kalkschulter, Fersensporn und Co schwören auf die Therapie. Doch erspart man sich dadurch tatsächlich einen operativen Eingriff? Die Unfallchirurginnen und Gründerinnen der Ordination Arthrowaves, Dr. Stella Prosquill und Dr. Sabine Streubel, erklären uns, was es mit der Stoßwelle auf sich hat, welche unterschiedlichen Techniken eingesetzt werden und worauf Patienten Acht geben sollten.

Die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), also eine Stoßwelle, die außerhalb des Körpers angewandt wird, gilt als moderne, nicht-operative Therapieform. „Wir setzen die Stoßwellentherapie in unserer Ordination oftmals bei Indikationen wie Kalkschulter, chronischer Entzündung der Achillessehne, Fersensporn sowie Tennis- und Golferellbogen ein“, so Dr. Stella Prosquill und Dr. Sabine Streubel. Klingt vielversprechend, denn bei Erfolg erspart sich der Patient eine oftmals aufwendige Operation.

Eklatante Unterschiede

Soweit so gut. Doch es gibt unterschiedliche Technologien am Markt, die einen wesentlichen Einfluss auf den Therapieerfolg haben. Der Haken: für den Laien lassen sich die Geräte auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden, da alles unter dem Sammelbegriff „Stoßwellentherapie“ angeboten wird. „Es bedarf jedoch an Aufklärung für Patienten, denn Stoßwelle ist nicht gleich Stoßwelle“, so die Expertinnen Dr. Prosquill und Dr. Streubel, die über das Fachkunde-Diplom der deutschsprachigen internationalen Gesellschaft für extrakorporale Stoßwellentherapie (DIGEST) verfügen.

Einerseits gibt es die Technologie der Druckpulserzeugung mittels elektrischer Energie (elektrohydraulisch, piezoelektrisch oder elektromagnetisch). Der gemeinsame Nenner: mit großem technischen Aufwand wird elektrische Energie in Schallwellen umgewandelt, die schließlich gebündelt, sprich fokussiert, werden. Deshalb spricht man auch von fokussierter Stoßwellentherapie. In der Ordination Arthrowaves wird mit einem elektrohydraulischen Gerät gearbeitet. dabei gelangen im Gegensatz zu den anderen ESWT-Geräten, die Stosswellen einerseits in größere Gewebetiefen (rund 15 Zentimeter) und andererseits wird auch der breiteste Fokus erzeugt. Das Gewebe wird nicht nur punktförmig getroffen, sondern trotz Fokussierung breitflächig und dadurch wird ein viel größeres Gebiet gleichzeitig behandelt.

Therapeutischer Effekt hauptsächlich in Oberflächennähe

Anders verhält es sich mit der radialen Stoßwellentherapie. Streng genommen werden hier gar keine Stoßwellen, sondern Druckwellen generiert. Die Druckpulserzeugung erfolgt bei dieser Technologie mittels mechanischer Energie. Eine Fokussierung findet hier nicht statt, denn rund 90 Prozent der Energie verpufft an der Oberfläche. Das bedeutet, die radiale Welle hat den therapeutischen Effekt hauptsächlich in Oberflächennähe.

Beide Verfahren haben ihre Berechtigung, es kommt allerdings immer auf die Indikation an. Mit den radialen Druckwellen mobilisiert man Gewebsschichten – dadurch lösen sich Verklebungen, muskuläre Verspannungen und Triggerpunkte. Die fokussierte Stoßwellentherapie ist die richtige Wahl bei Krankheitsbildern wie Kalkschulter, Entzündungen der Schulter, Tennis- und Golferellbogen, Schleimbeutelentzündung an der Hüfte, Sportler-/Fußballerleiste, Runner’s Knee, Jumper’s Knee (Patellaspitzensyndrom), chronische Sehnenansatzentzündung am Kniegelenk, Morbus Osgood Schlatter, chronische Entzündung der Achillessehne, Fersensporn, Cellulite, Knochenmarködem, Pseudo-/Falschgelenk (Pseudoarthrose) sowie Narbenkeloid.

Umbauprozesse im Gewebe

In der Ordination Arthrowaves wird primär eine fokussierte elektrohydraulische Stoßwelle mit einer Eindringtiefe von rund 15 Zentimetern eingesetzt. Durch diese Tiefenwirkung kommt es im Körper zum sogenannten Bioengineering. Es werden diverse Wachstumsfaktoren freigesetzt und die Einsprossung von neuen Blutgefäßen (Neoangiogenese) beginnt. Diese verbesserte Durchblutung fördert die Geweberegeneration, zudem wird die Knochenheilung stimuliert (insbesondere bei Pseudoarthrosen) und der Abbau von Kalkablagerungen beschleunigt.

Dr. Stella Prosquill, Dr. Sabine Streubel Foto (c) Moni Fellner.
Dr. Stella Prosquill, Dr. Sabine Streubel Foto (c) Moni Fellner.

Ein weiterer Vorteil der fokussierten Stoßwellentherapie ist die niedrige Rate an Wiederholungsbehandlungen. „Wir behandeln unsere Patienten zweimal in einem Abstand von rund vier Wochen“, so Dr. Prosquill und Dr. Streubel.

In der orthopädisch-unfallchirurgischen Praxis trifft man aber auch häufig auf komplexe Krankheitsbilder. Bei einer Kalkschulter zum Beispiel, leidet der Patient neben den Schmerzen in der Schulter auch oft an Verspannungen in der Schultermuskulatur. Dr. Prosquill und Dr. Streubel bearbeiten in solchen Fällen die Sehnen mit der fokussierten Stoßwelle und im Anschluss daran werden die dazugehörigen Triggerpunkte radial in Angriff genommen.

Grenzen des Verfahrens

„Es gibt ganz klare Richtlinien für die Anwendung der extrakorporalen Stoßwelle“, erklären Dr. Prosquill und Dr. Streubel. Doch so wie jede Therapie, gibt es auch bei der Stoßwellentherapie Grenzen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, unsere Patienten umfassend über Krankheitsbild und Behandlungsmöglichkeiten zu beraten. Wir beide kommen aus einem chirurgischen Fach und wenn die Stoßwellen-Behandlung bei einem Krankheitsbild nicht zielführend ist, werden wir den Patienten über das operative Verfahren aufklären und im jeweiligen Spital operieren“, so die Expertinnen.

Menschen, die im direkten Behandlungsgebiet einen Tumor haben, sollten grundsätzlich die Finger von einer Stoßwellentherapie lassen, dieser könnte durch die Gefäßeinsprossung wachsen. Auch im Bereich von luftgefülltem Gewebe (Lunge) und bei offenen Wachstumsfugen darf die Stoßwelle nicht eingesetzt werden.

Die Privatordination Arthrowaves

Die Privatordination Arthrowaves wurde 2016 von den beiden Unfallchirurginnen Dr. Stella Prosquill und Dr. Sabine Streubel in Wien eröffnet. Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von Sport- und Unfallverletzungen, Gelenkschirurgie (Schulter, Ellenbogen, Hand, Hüfte, Knie, Sprunggelenk/Fuß, Wirbelsäule) sowie chronischen Gelenksbeschwerden. Als Ergänzung zu konservativen Behandlungsmöglichkeiten in der Unfallchirurgie, Sportmedizin und Orthopädie wird die Spark WavesTM Stoßwellentherapie angeboten – eine nichtinvasive Alternative, die Schmerzen an Sehnen und Bändern effektiv lindert. Weitere Informationen: www.arthrowaves.at. gerissen werden.

 

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag über Stoßwellentherapie. Mein Vater leidet seit längerem schon an Fersensporn, weshalb ich mich über verschiedene physikalische Therapiemöglichkeiten informiere. Interessant, dass es so viele unterschiedliche Technologien auf den Markt gibt und wir als Laien oftmals nicht die Unterschiede ausmachen können.

  2. Vielen Dank für die Aufklärung zu diesem interessanten Thema. Neulich beim Orthopäde, sah ich das Gerät für Stoßwellentherapie und habe mich erkundigt. Angeblich, kann diese Therapie auch im Bereich Verspannung der Halswirbelsäule sehr viel schaffen. Dass Stoßwelle nicht gleich Stoßwelle ist, wusste ich nicht, daher nutze ich jetzt erstmal die Zeit um mich im Netz ein wenig schlau zu machen.

  3. War bei mir genauso @Hannes. Ich werde bei diesem Thema sowieso immer recht schnell emotional. Aber wie teilweise in den Krankenhäusern mit Patienten umgegangen wird, ist einfach eine Zumutung.

  4. also ich weiß ja nicht.. ich bin bei solchen dingen immer etwas kritischer unterwegs. hat jemand schon positive erfahrungen damit gemacht? würde mich ehrlich interessieren.

  5. Mir wurde damals als einzige Option eine Operation geboten, ich denke man hätte meine Beschwerden auch sehr gut mit dieser Stoßwellentherapie behandeln können. Traurig wie schlecht die Aufklärung in den Krankenhäusern heutzutage ist.

  6. Das ist ja spannend. Obwohl ich mit dem Thema eigentlich keine persönlichen Probleme habe, oder sonst wie betroffen bin, war das wirklich gut zu lesen. Ein sehr informativer Artikel, gefällt mir gut.
    Gruß Sabine

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