Interview zum Thema Zukunft der Automobilität

Andreas Oberascher©Foto beigestellt

Wir sprechen heute mit Herrn Mag. Andreas Oberascher, seines Zeichens Geschäftsführer der Ford Austria GmbH.

Wir möchten heute mit Ihnen als Geschäftsführer von Ford Austria und Auto-Experte über zukünftige Entwicklungen und Trends bei der Transformation vom Verbrenner zum Elektroauto sprechen. Danke das Sie sich Zeit genommen haben.

Besser länger leben (BLL): Ford hat ja in Europa bekannt gegeben, zukünftig ausschließlich Elektromodell verkaufen zu wollen. So wurden bzw. werden erfolgreiche und leistbare Modelle wie Fiesta, Focus, Galaxy oder S-max, nicht mehr produziert. Dies obwohl die Zulassungszahlen nach wie vor Elektroauto in der Minderheit sind. Wie geht es Ihnen damit und wie wollen Sie die nötigen Verkaufszahlen schaffen um drohende EU-Strafzahlungen zu verhindern?

Oberascher: Ford setzt hier einen wichtigen Schritt, um langfristig in Europa zu reüssieren:
Die Entscheidung von Ford, in Europa konsequent auf Elektromobilität zu setzen und dafür das Portfolio zukunftsweisend zu machen, ist Teil einer übergeordneten Strategie, die mehr oder weniger stark durch EU-Vorgaben zur CO₂-Reduktion beeinflusst wird.
Für uns bedeutet dass: Wenn man jetzt weiterhin stark auf Verbrenner setzt, riskiert man in wenigen Jahren nicht nur Strafen, sondern auch das Wegbrechen ganzer Märkte. Ein klarer Fokus auf Elektromodelle bietet Planungssicherheit für Entwicklung und Produktion.

BLL: Wissen Sie, wie hoch die EU-Strafzahlungen für Ford Austria wären, wenn Sie den gleichen Fahrzeugmix wie 2024 in 2025 verkaufen würden? Wie lässt sich dies erwirtschaften und finanzieren?

Oberascher: Unser Weg ist elektrisch und so ausgerichtet, dass wir in Kombination – also mit unseren konventionell angetriebenen Fahrzeugen und den Hybriden – die EU-Vorgaben erfüllen werden.

BLL: Die Stimmung gegen ein Verbrenner-Aus hat sich angeblich in der EU inzwischen etwas differenziert. Wissen Sie dazu genaueres?

Oberascher: Während die ursprüngliche Entscheidung – den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2035 zu verbieten – breite Zustimmung fand, gibt es mittlerweile zunehmend politische und wirtschaftliche Bedenken, die zu einer Neubewertung führen.  Wir halten an der Elektrifizierung fest, weil wir sie für die richtige Strategie halten. Und wir wollen allen Kunden die Möglichkeit geben, mit unseren Produkten diesen Weg gemeinsam zu beschreiten. Gerne auch einem hybriden Zwischenschritt zu vollelektrischen Fahrzeugen – und das mit top Produkten, die begehrlich und dennoch leistbar sind. Daher bieten wir schon heute mit der Umstiegs Prämie BEVs zum Preis eines Verbrenners an. Und mit unseren Modellen Capri, Explorer, Mach-E – und dem soeben vorgestellten Puma Gen-E – sind wir sehr breit aufgestellt.

BLL: Experten vertreten inzwischen auch die Meinung, dass viele Auto-Käufe inzwischen verschoben oder auf später verschoben werden, weil Konsumenten nach all den Unsicherheiten in diesem Zusammenhang mit ihren Käufen zuwarten.

Oberascher: Diese Entwicklung wird von vielen Marktbeobachtern inzwischen als ein zentraler Faktor für den rückläufigen Automarkt in Europa identifiziert. Viele Käufer sind unsicher, ob ein E-Auto heute schon „zukunftssicher“ ist, oder ob es nicht besser ist, auf neue Batterie-Technologien, Preissenkungen oder eine bessere Ladeinfrastruktur zu warten.

Gleichzeitig fürchten manche, dass Verbrenner durch gesetzliche Maßnahmen bald entwertet werden (z. B. durch Fahrverbote, Steuererhöhungen etc.). Uns ist es wichtig, unsere Kunden beim Umstieg zur Elektromobilität zu begleiten und mit unseren top Produkten mögliche Unsicherheiten, wie sie immer bei großen Veränderungen auftreten, als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

BLL: Was unternimmt Ford gegen die Übermacht chinesischer Elektroauto-Produzenten? Manche europäische Auto-Hersteller stemmen sich dagegen mit Sonderpreisen und Sondermodellen, die teilweise um bis 20.000,- Euro billiger sind als vor einem Jahr. Was wird der richtige Weg sein gegen die chinesische Dominanz.

Oberascher: Wir haben unseren neuen Mitbewerb natürlich am Radar, haben aber den Vorteil einer mehr als 100jährigen Historie in Europa, bewährte Servicequalität und ein solides, flächendeckendes Händlernetz.  Zudem werden alle vollelektrischen Volumenmodelle in Europa produziert, Capri und Explorer beispielsweise in Deutschland, der neue Puma Gen-E in Rumänien mit einen Antriebsstrang aus England. Wir bieten außerdem hoch attraktive Pakete an, die uns absolut konkurrenzfähig machen: unsere aktuellen Angebote sind größtenteils weitaus interessanter als jene von so manchem Marktbegleiter.

In den USA profitiert Ford vom Inflation Reduction Act, der inländisch gefertigte E-Autos stark subventioniert. Die Hoffnung ist wohl, dass China hier nicht mithalten kann.

Auch die EU prüft derzeit Anti-Dumping-Zölle auf chinesische E-Autos, was Ford – mit europäischer Produktion – in die Karten spielen würde.

BLL: Wenn nun die E-Autoförderung wegfällt und die der Hinzurechnungsbetrag wegfällt und die NoVA dazukommt, werden vermutlich doch weniger E-Autos gekauft werden. Fehlen Ford im Produktportfolio dann nicht die preiswerteren Verbrenner-Modelle?

Oberascher: Wir planen weiterhin Verbrenner, FHEV- und PHEV-Modelle anzubieten. Diese vielfältigen Lösungen schätzen unsere Kunden an Ford, wir können damit auch auf langsamere Adoptionsraten reagieren und sind mit dieser Strategie stabil aufgestellt.

BLL:  Ford hat ja zuletzt für einige Überraschungen gesorgt und neue Elektro-Autos wie beispielsweise den Ford Capri vorgestellt. Wir haben ihn schon ausführlich getestet und waren sehr positiv überrascht, er kann einiges besser als andere. Eigentlich braucht sich Ford mit seinen Elektromodelle am Markt nicht verstecken. Warum gelingt es beispielweise BYD in Österreich in 2024, dann doch in ihrem 2. Jahr am österreichischen Markt, bereits die Nr. 3 zu werden. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Oberascher: Dass Ford mit Modellen wie dem neuen Puma Gen-E, dem Capri, dem Explorer und natürlich auch dem Mustang Mach-E überzeugende Elektrofahrzeuge am Start hat, steht außer Zweifel, ganz zu schweigen von den batterieelektrischen Nutzfahrzeugen.
Viele Konsumenten verbinden Ford noch immer stark mit Verbrennern ( Stichwort „Mustang“, „Ranger“, „Focus“) – das E-Auto-Image ist hier noch im Aufbau.
Ford baut technisch sehr gute E-Autos, der Markt hat sich jedoch verändert: Es geht nicht nur um Qualität, sondern immer mehr um Preis, Verfügbarkeit, Finanzierung, Innovationsimage und Sichtbarkeit. Und genau da setzen wir an, um konkurrenzfähig zu bleiben.

BLL: Können Sie uns und unsere Leser*innen informieren was Ford in 2025 vorhat, mit welchen neuen Modellen kann man rechnen und wird es in 2025 tatsächlich an Neuigkeiten nur mehr E-Autos von Ford geben?

Oberascher: Ford plant für 2025 in Europa eine klare Ausrichtung auf Elektromobilität. Die Modellpalette wird überwiegend aus elektrischen Fahrzeugen bestehen, wobei einige Modelle ja bereits 2024 eingeführt wurden. Unsere leichten Nutzfahrzeuge, wie die Transit-Reihe oder der Ford Ranger, werden weiterhin auch mit Verbrennungsmotoren oder als PHEV erhältlich sein, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden.
Mit einer breiten Palette an vollelektrischen, teilelektrifizierten und konventionell motorisierten Fahrzeugen bietet Ford Lösungen für verschiedene Marktsegmente an. Die Einführung neuer Modelle wie des Puma Gen-E, Capri und Explorer zeigt das Engagement des Unternehmens für eine nachhaltige Zukunft im Automobilbereich.

BLL: Rechnen Sie für das Geschäftsjahr 2025 mit Mehrverkäufen oder mit weniger Verkäufen als in 2024. Welche Auswirkungen wird dies auf die Gewinnsituation haben?

Oberascher: Die Gewinne im Jahr 2025 hängen stark von Fords Anpassungsfähigkeit an die neuen Marktbedingungen ab, wir schauen aber voller Zuversicht in die Zukunft. Besonders auch wegen unserer NFZ, die sich über Jahrzehnte bewährt haben und absolute Topseller in allen Segmenten sind.
Darüber hinaus ist die Transformation der Modellpallette abgeschlossen, unsere Produkte haben zufriedenstellende Marktstarts hingelegt und wir erwarten sowohl im PKW- als auch im NFZ-Segment ein signifikantes Wachstum.

BLL: Sie sind nun seit dem Jahr 2021 in dieser Funktion bei Ford Austria. Macht Ihnen ihr Job in diesem bewegten Umfeld noch Spass und wie motivieren Sie ihre Mitarbeiter, Verkäufer und Händler, dass die ambitionierten Vorgaben doch erreicht werden?

Oberascher: Absolut, ja! Das Arbeiten in einer sich im Umbruch befindlichen Branche ist unglaublich spannend, da es täglich neue Herausforderungen und Möglichkeiten gibt. Die Transformation hin zu Elektromobilität und nachhaltiger Mobilität ist ein aufregendes Thema, das nicht nur die Zukunft der Mobilität beeinflusst, sondern auch die Art und Weise, wie wir arbeiten, wie wir unsere Produkte entwickeln und wie wir mit unseren Kunden interagieren.

Natürlich gibt es hier auch Stressfaktoren: Die sich ständig verändernden Marktbedingungen und der hohe Wettbewerbsdruck können herausfordernd sein. Aber wenn man eine so dynamische Zeit durchlebt, ist es auch eine einmalige Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten und die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln.

Ich bin stolz auf unser erfahrenes Team und unser starkes Netz an Handels- und Servicepartner, die unsere Kunden und Interessenten perfekt in diesen turbulenten Zeiten der Transformation begleiten und das richtige Produkt für jeden Kunden identifizieren.
Für viele Kunden ist der Kauf eines Neuwagens eine bedeutende Entscheidung, die emotional aufgeladen ist. Verkäufer und Händler sind oft der erste direkte Kontaktpunkt.
Es geht nicht nur darum, ein Auto zu verkaufen, sondern auch darum, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

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1 Kommentar

  1. Habe die letzte Pressemeldung noch in Erinnerung „FORD macht mit E-Autos 150 mio Euro Verlust“.
    Das wird doch kein böses Erwachen geben?

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