Eine Golfrunde mit dem Skikaiser Franz Klammer

Clubmanager Klaus Bürger, Skikaiser Franz Klammer, Herausgeber "besser länger leben "Friedrich Graf am 1. Abschlag

Nach mehreren Anläufen klappte es nun doch und ich hatte mit Franz Klammer im GC Bad Kleinkirchheim einen Golftermin, in seiner Heimat. Was ich dabei lernte, lesen Sie hier.

Es war einer dieser Kärntner Frühsommertage, wo die Luft am frühen Morgen noch etwas kühler ist. Die Nockberge am Ende des Kirchheimer Tales glitzerten in der Ferne und waren ganz oben noch etwas weiß, vom jüngsten Schneefall Mitte Mai, während über den Karawanken noch letzte Nebelfetzen hingen.

Ich habe eine Verabredung mit dem Skikaiser Franz Klammer am Golfplatz

Eigentlich hatte ich nur mit einer entspannten Golfrunde gerechnet, doch bei der Zufahrt zum Golfclub Bad Kleinkirchheim spürte ich eine gewisse Anspannung, Golfen und ein Interview mit dem Skikaiser – wie wird das ablaufen. Ein bisschen Sport, ein paar gute Gespräche, vielleicht ein Mittagessen auf der Clubterrasse. Als ich meine Golfsachen zusammen hatte und den Pro Shop im Clubhaus betrat, um mich anzumelden, meinte die Dame an der Rezeption, „Ja, sie spielen heute mit dem Franz“.

Schnell noch ein paar Autogrammkarten unterschreiben.

Dann stand plötzlich der Olympiasieger Franz Klammer vor mir

Nicht auf Skiern, nicht in Rennmontur, sondern in dunkelblauer Golfhose, einem hellblauen Polohemd, mit einen Pullover und mit diesem berühmten Grinsen, das gleichzeitig freundlich und leicht schelmisch wirkt. Der „Skikaiser“ wirkte erstaunlich entspannt. Keine Starallüren, keine große Inszenierung. Er reichte mir die Hand und sagte, ich bin der Franz, bevor er noch sagte „Na, schauma mal, ob i beim Golfen weniger Fehler mach als früher im Zielhang.“

Damit war das Eis sofort gebrochen

Mit Franz und mir spielt noch der Clubmanager Klaus Bürger mit. Wir starten auf dem ersten Loch. Schon beim ersten Abschlag merkte ich: Franz Klammer spielt Golf genauso, wie er früher Ski gefahren ist — mutig, locker und mit einer unglaublichen Freude an der Bewegung. Während andere Golfer minutenlang den Wind prüfen, den Schläger abwägen und komplizierte Probeschwünge machen, stellte er sich hin, grinste kurz und zog durch. Man muss wissen, dass er vor ein paar Jahren noch mit HC 5,6 spielte.

Er strahlt über das ganze Gesicht

Sein Ball flog weit. Sehr weit.

„Beim Abschlag darfst net nachdenken“, sagte er. „Wennst im Starthaus zu viel überlegst, bist schon verloren.“

Diese Sätze klangen nicht wie Kalendersprüche. Sie kamen aus einem Leben voller Hochgeschwindigkeit, Druck und Entscheidungen in Sekundenbruchteilen. Und genau das machte diesen Tag so faszinierend: Zwischen Fairway und Grün erzählte Franz Klammer nicht einfach Geschichten aus seiner Karriere — er erzählte vom Leben.
Während wir am zweiten Loch entlanggingen, sprach er über seine legendäre Olympiafahrt 1976 in Innsbruck. Über das Risiko. Über Angst. Und darüber, dass Mut oft nicht bedeutet, keine Angst zu haben.

„Mut heißt meistens nur, dass du trotzdem losfährst.“

Er sagte das ganz ruhig. Ohne Pathos. Fast beiläufig. Doch genau deshalb blieb es hängen. Zwischendurch lachte er viel. Vor allem über sich selbst. Als ein Putt knapp am Loch vorbeiging, stemmte er die Hände in die Hüften und meinte trocken:
„Beim Skifahren war das Ziel größer.“

Die Golfrunde wurde immer entspannter. Als wir drei Golfer, dann auf dem Loch 4 einem PAR 4 aus rund 150 Meter alle mit dem 2. Schlag unseren Ball innerhalb von einem Meter zur Fahne platzieren konnten, strahlte er, hob meinen Ball auf und sagte trocken „Den glaub i dir“. Irgendwann ging es längst nicht mehr um Schläge oder Scores. Es ging um das Draußensein. Um Bewegung. Um Lebensfreude und das Leben. Er verkörpert das Leben.

Drei saubere Annäherungsschläge

Und vielleicht genau deshalb wirkte Franz Klammer, geboren 1953 mit über siebzig Jahren, jünger als viele Menschen zwanzig Jahre darunter. Er hat diese seltene Mischung aus Gelassenheit und Energie. Kein verbissener Ehrgeiz mehr, sondern echte Freude. Freude an Begegnungen, an der Natur, am Sport. Man spürte sofort: Dieser Mann lebt nicht in Erinnerungen. Er lebt im Moment. In der Tat, er muss nichts und niemanden mehr etwas beweisen.

„Weißt“, sagte er, „früher glaubten wir immer, Leistung ist alles. Heute denk ich: Bewegung, Freunde, Lachen — das hält dich jung“.

Vielleicht war das die eigentliche Lektion dieses Tages

Nicht Fitnessuhren. Nicht komplizierte Gesundheitsprogramme. Sondern Begeisterung. Leidenschaft. Neugier, Menschen, die aktiv bleiben — körperlich und geistig.

Eine Besonderheit am GC Bad Kleinkirchheim ist, die ersten 9 Loch sind relativ flach und ziehen sich Richtung Bad Kleinkirchheim. Zurück geht es dann wieder bis zum Clubhaus. Ab der 10. Spielbahn zeigt der Golfplatz seine Krallen, es geht steil bergab und steil bergauf, die Fairways werden enger. Das 12. Loch, an sich ein einfacher kurzes PAR 3 mit 119 Metern, aber hat es in sich, links eine Böschung und rechts ein Steilhang. Die Breite des Fairways ist um die 10 Meter. Und prompt versemmelt Franz Klammer seinen Ball Link in die Böschung ins Out. Mein Ball startet eher rechts zum Steilhang, aber zum Glück rollt er bergab bis kurz vors Green. Aber er nimmt dies locker. Aus Erlebnissen und Erzählungen von Freunden die mit ihm früher spielten, hört man auch von kleinen Wutanfällen, wenn er einen Schlag nicht gut getroffen hat. Aber mit dem Alter wird man ruhiger, nachsichtiger mit sich und der Golfwelt.

Auf den letzten Löchern wurde Franz sogar noch ehrgeizig. Nach einem besonders gelungenen Schlag hob er triumphierend den Schläger.

„Siehst? Ganz abgeschrieben bin i no net!“

Und plötzlich war er wieder da — der Draufgänger aus Mooswald, der Mann, der einst scheinbar schwerelos die Kitzbüheler Streif , die Lauberhornabfahrt oder die Olympiaabfahrt in Innsbruck mit seiner ganz typischen Körperhaltung hinunterflog. Nur eben jetzt auf dem Golfplatz.

Als die Sonne langsam tiefer sank und lange Schatten über die Greens wanderten, endete unsere Runde auf der Terrasse des Clubhauses. Franz bestellte noch einen Apfelsaft gespritzt und prostete mir zu.
„Ein guter Tag“, sagte er zufrieden. Ja. Das war er.

Er golft mit Freude und ist fair und ehrlich

Nicht wegen der Golfschläge

Sondern weil man selten Menschen trifft, die einem so deutlich zeigen, wie gutes Älterwerden wirklich funktioniert: aktiv bleiben, neugierig bleiben, lachen können — und niemals aufhören, das Leben sportlich zu nehmen.
Franz Klammer als ehemaliger Leistungssportler über gesundes Älterwerden
Wer einen Tag mit Franz Klammer verbringt, merkt schnell: Seine Haltung zum Älterwerden hat wenig mit Verzicht oder strengen Gesundheitsregeln zu tun. Vielmehr geht es um eine innere Einstellung — und um Bewegung mit Freude statt Zwang.
Franz Klammer gehört zu jener Generation von Spitzensportlern, die gelernt haben, mit Druck, Risiko und Rückschlägen umzugehen. Gerade deshalb wirken viele seiner Gedanken zum Älterwerden erstaunlich einfach — aber sehr lebensnah.

Zum Abschluss vertraute er mir noch ein paar Tipps zum Älterwerden an:

1. Bewegung muss Freude machen
Klammer würde wahrscheinlich nie sagen:
„Du musst jeden Tag ein hartes Fitnessprogramm absolvieren.“
Sein Zugang ist viel natürlicher:
Wer sich gern in der Natur und frischer Luft bewegt, bleibt länger aktiv.
Ob Golf, Wandern, Radfahren oder Skifahren — entscheidend ist nicht die Höchstleistung, sondern Regelmäßigkeit. Leistungssportler wissen oft besser als andere, dass der Körper Bewegung braucht wie ein Motor den Treibstoff.
„Wer stehen bleibt, rostet“, wäre typisch Klammer.
Dabei geht es nicht um Rekorde, sondern darum, den Kreislauf, die Muskeln und vor allem die Lebensfreude in Bewegung zu halten.

2. Die mentale Einstellung entscheidet enorm viel
Viele ehemalige Spitzensportler altern dann besonders gut, wenn sie ihre Neugier behalten. Genau das verkörpert Franz Klammer bis heute.
Gesund älter werden heißt für ihn:
• interessiert bleiben,
• offen bleiben,
• soziale Kontakte pflegen,
• Humor behalten.

Denn Stress, Verbitterung und dauernde negative Gedanken altern Menschen oft schneller als körperliche Belastung.
Klammer wirkt deshalb so vital, weil er nicht permanent zurückschaut. Er lebt nicht nur von seinen Erfolgen der Vergangenheit. Er freut sich auf den Moment – egal was er macht.

3. Natur ist ein Gesundheitsfaktor
Menschen wie Franz Klammer haben einen Großteil ihres Lebens draußen verbracht:
frische Luft, Berge, Wetter, Sonne, Bewegung.
Heute bestätigen viele Studien genau das:
Zeit in der Natur senkt Stresshormone, verbessert Schlaf, stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die psychische Gesundheit.
Golf passt deshalb erstaunlich gut zu seinem Lebensstil:
mehrere Stunden Gehen, Konzentration, soziale Begegnung und Natur gleichzeitig.

4. Maß statt Extreme
Interessant ist, dass viele ehemalige Spitzensportler im Alter bewusster mit Energie umgehen. Nicht mehr maximal trainieren — sondern klug.
Franz Klammer würde vermutlich sagen:
Der Körper braucht Belastung, aber auch Erholung.
Schlaf, Regeneration, gutes Essen und weniger Dauerstress werden mit den Jahren wichtiger als reine Härte.

5. Gemeinschaft hält jung
Was man bei Begegnungen mit Klammer sofort spürt:
Er lacht viel. Er redet gern mit Menschen. Er genießt Gesellschaft.
Und genau das gilt heute als einer der wichtigsten Faktoren für gesundes Altern:
soziale Verbundenheit.
Menschen mit Freundschaften, Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten leben statistisch länger und zufriedener.

6. Sinn und Leidenschaft sind entscheidend
Viele Menschen altern mental schnell, wenn sie keine Aufgabe oder Begeisterung mehr haben.
Ehemalige Spitzensportler wissen:
Man braucht Ziele — auch kleine.
Nicht Olympiasiege. Aber Dinge, auf die man sich freut:
• eine Golfrunde,
• eine Wanderung,
• Reisen,
• Familie,
• neue Erfahrungen.
Diese Vorfreude hält den Geist aktiv.

Die eigentliche Botschaft

Franz Klammer würde gesundes Älterwerden wahrscheinlich nicht kompliziert erklären. Keine zehn Biohacks. Keine Wunderdiäten.

Wie weit wird der Ball fliegen? 200m, 240 oder 260 M. Es waren knapp 240 Meter.

Eher so:
„In Bewegung bleiben. Nicht alles zu ernst nehmen. Freude haben am Leben.“

Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis vieler Menschen, die auch im Alter noch Energie ausstrahlen. Sie hören nie ganz auf, neugierig, aktiv und lebendig zu sein.

Mein Dank

Lieber Franz Klammer,
es war mir eine Freude mit dir ein Runde Golf zu spielen, es hat unglaublich viel Spass gemacht, wir haben zusammen viel gelacht, es ist ein Vergnügen dich beim Golfen zu beobachten, wie locker du schwingst, wie ausgeglichen du inzwischen bist und ich habe viel von Dir über das Älterwerden gelernt.

Vielen Dank dafür.

Friedrich Graf

Die wichtigsten Erfolge von Franz Klammer
Franz Klammer begann seine Weltcup-Karriere 1973 und feierte noch im selben Jahr seinen ersten Abfahrtssieg in Schladming. 1975 dominierte er den Abfahrts-Weltcup mit acht Siegen in neun Rennen und wurde zum „Skikaiser“. Seinen größten Triumph erlebte Klammer 1976 mit Olympiagold in der Abfahrt von Innsbruck am Patscherkofel. Zwischen 1975 und 1984 gewann er viermal die berühmte Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel. Er gewann 25 Abfahrtssiege im Weltcup und fünfmaliger Gewinn des Abfahrtsweltcups. Er war 1975, 1976, 1978 und 1983 Sportler des Jahres. Er ist Träger des Goldenen Ehrenzeichend der Republik Österreich. 1985 beendete Klammer seine Karriere als einer der erfolgreichsten Abfahrer der Skigeschichte mit fünf Abfahrts-Weltcupsiegen.

Alle Fotos©besser länger leben

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2 Kommentare

  1. Herrlich geschrieben, beim Lesen war ich bei der Golfrunde dabei.
    Gratulation dafür – das ist noch Journalismus!!!

  2. Muss ein besonderes Erlebnis gewesen sein mit Franz Klammer zusammenzutreffen.
    Bin zwar kein Golfer, aber der Beitrag und seine Tipps nehme ich mir zu herzen.

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