Mit dem Rad rund um den Dachstein

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Eine 3-Tages-MTB Radtour von Bad Goisern aus rund um den Dachstein. Was man dabei alles erleben kann, lesen Sie hier.

Hier die Fakten der Dachstein Classic Variante:

  • 3 Tage intensives Mountain Biken
  • Gesamt rund 200 km
  • Tagesetappen zwischen 72 und 81 km
  • Insgesamt über 5.000 Höhenmeter
  • Nur für sportliche, geübte Biker
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Wie kommt man auf so eine Idee?

Heuer fand nach 2 Jahren Pandemiepause vom 15. bis 17. Juli 22 wieder die legendäre  „Salzkammergut Trophy“ statt. Man muss nur wissen, dass diese Trophy nur für die besten MTB-Biker etwas ist. Der Schweizer Konny Looser (Stoll-Racing powered by ETL-GDS) gewann dieses Mal die mit 213 Kilometern und 7059 Höhenmetern längste und härteste aller Distanzen der Jubiläums-Trophy mit knapp 10 Minuten Vorsprung vor dem Deutschen Matthias Alberti (KTM Factory MTB Team) und dem Tiroler Philip Handl (Team Texpa Simplon).

Aber es gibt auf der Dachsteinrunde auch eine Classic-Runde, die angeblich wesentlich leichter sein soll – eine Art „Light-Variante“. Diese wollten wir uns ansehen, noch dazu mit einem E-MTB Bike und schnell entschlossen haben wir uns angemeldet.

Das ist unsere Radtour rund um den Dachstein.

Gründliche Vorarbeit ist zu empfehlen

Grundsätzlich wird die „Dachsteinrunde Classic“ betreut von den Tourismusorganisationen Oberösterreich, Steiermark und Salzburg. Man fährt ja auch durch diese drei Bundeländer. Bei unserer Planung war uns der Tourismusverband Inneres Salzkammergut sehr hilfreich.

Neben dem Streckenverlauf (Forstweg, Landstraße, Singletrail usw.), den E-Ladestellen, den diversen Verpflegungsstellen, Wetter, dem geeigneten E-Bike, heißt es auch eine gute Kondition mitbringen. Aber keine Sorge, viele dieser Prunkte und Fragen werden schon bei der Anmeldung und im Tourenangebot beantwortet. Buchen kann man die „Dachsteinrunde Classic Variante“ hier. Der Vorteil dabei man bucht auch die Hotels mit, man erhält eine mehr als ausführliche Tourenbeschreibung, es wird bei jeder Etappe das Gepäck vom Hotel um 9 Uhr abgeholt und zum nächsten Hotel gebracht. Damit erspart man sich das lästige Rucksack schleppen. Aber einen kleinen und leichteren Rucksack für das Ladegerät, für Regensachen, für Müsliriegel und Getränke benötigt man schon.

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Der Tag für unsere Tour rückt näher

Nachdem wir mühsam unser E-Bike im Auto verladen haben fahren wir nach Bad Goisern in unser erstes Hotel dem Wohlfühlhotel Goiserer Mühle. https://www.hotel-goiserermuehle.at/de/ Ein echtes Wohlfühlhotel, mit besten regionalen Essen und klassischen Zimmer. Essen auf der Terrasse direkt neben dem gemütlich wirkenden Mühlenbach. Eine ideale Einstimmung für die nächsten drei Tage. Noch laden wir unsere E-Bikes in der versperrbaren Garage auf, damit wir morgen genug E-Unterstützung haben.

Unsere Tour

Die vorstehend oben abgebildete Grafik zeigt die Gesamtstrecke von Bad Goisern über Altaussee nach Gröming (72 km). Am zweiten Tag ist geplant über die Ramsau bis nach Annaberg im Lammertal  (73 km) zu fahren und am dritten Tag von Annalberg, über Gosau, Gosaussee bis nach Hallstatt und dann am Nordufer des Hallstädtersee nach Bad Goisern (81 km).

Lesen Sie wie es uns gegangen ist

Morgens um 9.00 Uhr sind wir – eine kleine Abenteuergruppe – losgefahren. Zuerst bis zur Tankstelle in St. Agatha an der Pötschenpass-Straße. Dann zweigen wir links ab und fahren eine leicht ansteigende Fortstraße neben dem kleinen Fluss Leisling. Bergauf geht es bis zum Waldgraben, dann geht es leicht bergab über den Lichtersberg nach Altaussee. Leider ist es anders gekommen als gewollt. Eine der Mitfahrenden ruft plötzlich „ich habe keine Luft mehr im Vorderreifen“. Wir drei bleiben stehen und begutachten den Schaden, versuchen zunächst mit der kleinen Handpumpe Luft in den Vorderreifen zu pumpen. Aber vergeblich. Dann stehen wir etwas verzweifelt bei einer Weggabelung und rufen die wichtige Hotline des Veranstalters an ,um Hilfe anzufordern. Die Dame an der Hotline war sehr nett, doch mitten im Wald war unser Empfang so schlecht, dass sie immer rief „Ich verstehe Sie nicht“. Dann kann ihre Quizfrage „Wo sind Sie genau, damit ich Hilfe organisieren kann“. Gute Frage, wie kennt man seinen genauen Standpunkt in einem unbekannten Waldstück?

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So vergingen rund 1,5 Stunden. Doch dann plötzlich kam ein sportlicher Radfahrer des Weges und sah offenbar unsere Verzweiflung in unseren Gesichtern und fragte ob er helfen könne. Die Götter müssen ihn geschickt haben. Gesagt getan, er packte sein Werkzeug aus, dass er dabeihatte und wechselte unseren Schlauch. Es stellte sich heraus, dass der Schlauch offenbar kein Loch hatte, denn es entwich keine Luft durch ein Loch. Also muss es das Ventil gewesen sein. Nach gut einer weiteren Stunde war der Vorderreifen wieder in Ordnung. Nun war es natürlich für die gesamte Weiterfahrt schon zu spät und es war uns auch zu riskant, die vor uns liegende Wegstrecke vom Salza-Stausee über die Viehbergalm bei Einbruch der Dunkelheit zu fahren. Daher entschlossen wir uns wieder zurück zu fahren bis zum Agathawirt. Dort kehrten wir ein, tranken einen Kaffee und beratschlagten wie es weitergehen soll. War doch für heute Nacht unser Hotel in Gröbming fix gebucht.

Die Hotelinhaberin brachte uns dann auf eine glorreiche Idee, wir fuhren dann mit unseren Fahrrädern zum Bahnhof in Bad Goisern, kauften Tickets für uns und unsere Räder bis nach Stainach-Irdning. Nach einer guten weiteren Stunde waren wir dann in Stainach-Irdning, wobei die Zugfahrt über Gosau, Bad Aussse, Bad Mitterndorf der gemütlichste Teil des ersten Tages war.

Vor uns lag noch 1,07 Stunden Fahrzeit laut Bike-Map bis zum Hotel in Gröbming. Just begann es zu regnen und hörte nicht mehr auf. Es blieb uns nichts anderes übrig als bei Regen den Ennstalradweg bis nach Gröbming in Angriff zu nehmen. Er traute sich keiner auszusprechen, aber wie mühsam und quälend kann Radfahren bei diesen Bedingungen sind. Im Hotel angekommen waren wir bis zur Unterwäsche nass und nur der schnelle Saunagang rette uns vor einer Erkältung.

Unser Tag zwei

Unsere heutige Tour soll uns von Gröbming/Mitterberg über die Ramsau, nach Filzmoos bis nach Annaberg , dem Geburtsort von Marcel Hirscher führen. Es wären 73 km, aber nach dem der erste Tag uns noch im Magen lag, suchten wir auf unserer Bike App eine etwas verkürzte Route und wurden fündig. Eigentlich praktisch die gleiche Strecke, doch nur 55 statt 73 km. Anfangs ging es noch über den Ennstalradweg, doch leider zwischendurch ist der eigens angelegte Radweg unterbrochen und man fährt 3-4 km mitten auf der Ennstal-Bundesstraße neben vorbeirauschenden Lkws. War weniger schön, doch in Weißenbach zweigt man Richtung Ramsau ab. Wir fuhren leicht bergauf, vorbei an der Lodenfabrik Steiner bis nach Ramsau. Zum Glück war nicht viel Autoverkehr.

In der Ramsau gingen wir Mittagessen und unsere Stimmung wurde wieder besser. Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Filzmoos, teils rasant bergab. Unsere Navigationsprobleme: Dann wollte uns die App wieder nach rechts auf eine Alm lotsen. Der Ausgang des schmalen Schotterwegs ist nicht bekannt und wir entschieden uns weiter die Straße bis nach Filzmoos zu fahren. Leider hat der Veranstalter zwar ein kleines Büchlein mit allen Routendetails, dass aber beim Radfahren unhandlich ist, da man immer wieder stehen bleiben muss, den Rucksack öffnen muss usw.

Als moderne Variante bietet er leider noch kein Rad App an, sondern nur einen Homepage-Link, mit dem wir anfangs navigieren wollten. Doch die Tücke ist, dass unser Handy-Akku nach einer guten Stunde die Batterie ausging. Damit war navigieren via Mobiltelefon nicht möglich und den Restsaft wollten wir uns für vielleicht nötige Telefonate aufheben. Hinweis: Das Runterladen einer entsprechenden App in der die Tour gespeichert ist gar nicht so einfach und diesem Punkt solltet ihr bei Eurer Vorbereitung volle Aufmerksamkeit schenken, sonst wir navigieren zum Problem. Leider wie fast immer bei derartigen gekennzeichneten Radtouren sind einige Tourenschilder, entweder zu viel, sodass man im Vorbeifahren nicht 3 oder bis zu 5 Schilder erkennen kann. Manchmal ist die Schrift zu klein oder alle Schilder sind in Rot wie in Oberösterreich. In der Steiermark sind die Schilder grün, wesentlich größer und genau in den gebrauchten Abzweigungen. Zusätzlich ist auf den nicht zu fahrenden Strecken deutlich Radfahrverbote montiert.

Wir erreichen Filzmoos

Wir haben noch rund 20 Km bis zum heutigen Etappenziel. Durch Filzmoos geht es die Hauptstraße weiter Richtung Mautstraße und Bischofsmütze zum Marcheggsattel. Radfahrer zahlen keine Maut, dafür müssen wir uns plagen. Wie wir in bald einer Stunde wissen werden, kommt jetzt der härteste, steilste Schotterteil der heutigen Tour. Erstmals musste ich die 5  und „schärfste“ Fahrstufe meines E-Bike einschalten. Es geht steil und permanent bergauf und scheint nicht aufzuhören. Meine Mitfahrenden sind allesamt weit hinter mir geblieben. Endlich oben angelangt warte ich zusammen. Durst und kleiner Hunger wird gestillt, bevor es wieder weitergeht. Ein Blick auf die Uhr, es ist 14 Uhr. Dann kommt eine Passage für echte MTB-Freaks, steil und lange bergab, enge Spitzkehren, alles gepflastert mit Schotter und gröberen Steinen. Unser Glück es gibt Scheibenbremsen. Die Scheibenbremsen scheinen zu glühen, aber sie bremsen wie eine eins. Nicht vorzustellen mit den alten Bremsbacken von früher.

Nach einer zum Glück asphaltierten Bergabpassage erreichen wir das Sporthotel Dachstein West in Annaberg. 55 km sind geschafft. Wir laden zu allererst unsere E-Bikes im Keller auf, dann ist Relaxen angesagt. Dazu gehört ausgiebig trinken und die Kalorienspeicher wieder auffüllen.

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Unser Tag drei

Unsere heutige Tour nach dem Veranstalter sollte uns von Annaberg nach Gosau, dann zum Gosausee dann bergauf an der Hohen Scheibe vorbei auf rund 1.550 m Seehöhe führen. Die angezeigte Tour soll 81 km mit meistens Schotterwegen sein. Das überfordert uns und vor allem unsere Lady. Daher entscheiden wir uns, dass wir eine verkürzte Tour fahren. Immerhin noch 42 Km. Gleich Anfangs führt uns unsere Bike-App nach rechts vorbei am Skigebiet Dachstein West, steil bergauf bis wir plötzlich vor eine Radfahrverbot steh und uns nicht wirklich weiter trauen, da wir einerseits den Weg nicht kennen und vor uns ein riesiges Gebirgsmassiv lag. Zu ungewiss wäre der Ausgang. So fahren wir die 4 km wieder bergab und fahren die Bundesstraße weiter. Dann eine Abzweigung direkt neben einem Bach bis wir nach – bis dahin rund 1,5 Stunden Fahrzeit – die Bundesstraße Pass Gschütt erreichen. Hier geht es zügig bergauf. Es ist eine Bundesstraße mit einer weißen Linie rechts und ca. 1,5 Meter als Radteil markiert. Das ist fein und man ist etwas abseits vom Autoverkehr. Endlich erreichen wir dem Pass Gschütt auf knapp 969 Meter Seehöhe.

Dann geht’s sehr flott mit fast 50 – 60 km/h hinunter nach Gosau. Wir schauen auf die Kilometerangabe bis zum Gosausee, es wären noch 11 km, plus dann laut Veranstalter der härteste Teil der Tour. Auch wenn von dort oben ein abenteuerlicher Blick auf den Dachstein zu sehen sein soll.

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Wir ziehen es vor zum Hallstädtersee zu ziehen. Am See angekommen gönnen wir uns eine Rast und einen Kaffee direkt am See. Wir haben bis zu unserem ersten Ausgangspunkt und Ende unserer Tour noch rund 8,5 km. Die Umrundung um den Hallstädtersee sparen wir uns und sind froh, nach rund 3 Stunden Fahrzeit auf verkürzter Tour im Hotel an unserem Ausgangspunkt anzukommen.

Unser Resümee.

Die volle Dachsteinrunde Classic – wie vorgesehen, ist nichts für uns Bürohengste. Aber auch die abgekürzte Tour hat es in sich, waren es doch gut 180 km in drei Tagen. Irgendwie sind wir ein wenig stolz diese Qualen, unfallfrei und ohne Ausfälle gemeistert zu haben. Die Tour ist trotzdem mit einem E-Bike keine leichte Tour, erfordert viel genaue Vorbereitung und Planung und trotzdem auch für Hobby-MTB Biker von Schotter, steilen Abfahrten mit kehren, steile und nasse Trails bis zu Bundestraßen alles dabei. Es klingt fast wie ein Hohn, dass uns der Leiter der Salzkammergut Tourismusbüro nach unserer Tour erklärt, „Ja die echten MTB Biker wollen das so, die wollen keine leichten Touren mit Asphalt. Für uns unglaublich, manchen Biker fahren diese Tour mit normalen E-Bikes ganz ohne E-Bike Motor.

Gute Ladestellenplanung und rechtzeitiges Nachladen beim Essen vorausgesetzt, macht auch ein zumindest 500 Watt starker Akku nicht schlapp.

Unsere Lehre:

  • Bei wahren Abenteuern weiß man nie wie sie ausgehen.
  • Jedenfalls lernt man ein völlig neues Selbstbewusstsein kennen, wenn man es geschafft hat.
  • Wenn auch die Beschilderung – speziell in Oberösterreich, aber auch in Salzburg noch besser wird, fährt man keine unnötigen Umwege.
  • Gute Vorbereitung und Planung ist die halbe Miete.
  • Lieber mit dem eigenen Bike als mit einem Leihrad – das Eigene kennt man besser und es passt alles, vom Sattel bis zur Geometrie.
  • Wenn es dann noch eine Bike-App gibt, steigert das das Vergnügen ungemein.
  • Einen Blick auf den Dachstein hat man fast immer, man hat nur keinen Blick dafür vor lauter Plagerei.
  • Unser Tipp: Reserve Telefon Akku mitnehmen.

Eigentlich finden wir, hätten wir uns eine Dachstein Medaille in Gold oder zumindest in Bronze verdient. Wie ihr seht, der Spass ist uns nicht vergangen.

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1 Kommentar

  1. Gratulation für diesen wunderbar geschriebenen Artikel der Dachsteinumrundung. Denke mir fehlt die Kondition und der Mut.

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