Rupert Walchhofer Senior, der Pionier von Zauchensee

Rupert Walchhofer Senior ©besser länger leben

Ohne ihn und seinen Hotels würde es Zauchensee so vermutlich heute nicht geben.

Wir verbrachten mit dem nimmermüden Junggebliebenen einen Skitag in Zauchensee und waren beeindruckt von seiner Lebensgeschichte, die er uns ganz nebenbei, am Skilift erzählte – ganz ohne Stolz und Arroganz. Rupert Walchhofer Senior ist heute beinahe 80 Jahre alt, fährt fast noch täglich Ski, zumeist mit Freunden oder mit Skigästen, die immer wieder ihn als Skilehrer und Ski Guide wollen. Er der Seniorchef der Skischule Walchhofer in Zauchensee hat schon längst die Leitung der Skischule an seinen Sohn Peter Walchhofer übergeben.

Wir hatten das Vergnügen einen Skitag mit ihm zu erleben und wie der Zufall es so wollte, schneite es in Zauchensee in den letzten Tagen gut einen Meter Neuschnee. Auch als wir uns am Morgen trafen schneite es wie wild und die Sicht gleich null. Aber er wollte rauf uns alles zeigen und wir mussten ihn förmlich „einbremsen“ damit wir zu unseren gewohnten Kaffee am Vormittag in der Gamskogelhütte kamen. Der Vorteil dabei: Wir hatten mehr Zeit mit ihm zu plaudern und er erzählte uns viel Unbekanntes.

Es gibt wenige Menschen, die so einen steinigen, aber erfolgreichen Lebensweg hinter sich gebracht haben wie er. Vom einfachen Landwirt zum Skipionier und Hotelier in Zauchensee. Hier stellen wir Zauchensee näher vor.

Aber wie begann alles?

Alles begann 1968 mit einem Plan und dem Bau eines Gasthofs und einem Jugendhotel. Bis heute sind inzwischen drei Betriebe entstanden: das Familienhotel Zachenseehof, das Hotel Zauchensee Zentral und das Sporthotel Walchhofer. Rupert Walchhofer und seine Frau Maria haben mehrere Kinder und Enkelkinder. Für alle Familienangelegenheiten, für Geburtstage, Jubiläen und alles Sonstige bei soviel Enkelkinder ist seine Frau die „Chefin“ und managt alles. Inzwischen sind es 22 Enkelkinder. Am bekanntesten ist sein Sohn Michal der breiten Öffentlichkeit, der heute 44 Jahre alt ist und im Jahr 2003 Abfahrtsweltmeister in St. Moritz wurde.

Verschmitzt mit einem Augenzwinkern vertraute er uns an, dass Michael wohl sein Skitalent geerbt hat. Er der Senior ist ja auch Abfahrtsrennen gefahren und dies dann auch noch später oder in hohem Alter bei den Senioren in der Disziplin Riesentorlauf allerdings. „Aber als „Bauer“ hast ja nicht viel Zeit zum Rennfahren“, so machte er den staatlichen Skilehrer, damals noch in Obertauern.

Seinen Sohn Michael Walchhofer haben wir bereits im Jahr 2017 interviewt, lesen Sie hier unser Interview

Was macht Michael Walchhofer heute?

Die Söhne Michael und Rupert Walchhofer pflegen in ihren Hotels dieselbe Lebensweise wie bereits der Vater pflegte: „Unsere Hotels sind unser Zuhause. Hier wachsen unsere Kinder auf und schließen Freundschaften. Wir begrüßen unsere Gäste und verabschieden sie als Freunde.“

Er der Aktive

So viel Kaffee ist nicht gesund, jetzt gehen wir wieder in die schönen Berge und fahren wieder Ski, meinte er zu uns – ganz bestimmt und ohne uns zu drängen. Seine Aura ist echt und verpflichtet. Man wird von so viel Power mitgerissen. Wie muss Rupert – wie wir ihn inzwischen nennen dürfen in seinen jungen Jahren gewesen sein. So mancher der heutigen Jungen könnte sich davon eine kräftige Scheibe abschneiden.

Inzwischen ist der Schneefall wieder stärker geworden, und trotzdem fährt er mit uns von der Gamskogelhütte, wo beim Weltcup gleich der SG Start ist, die berüchtigte Weltcupabfahrt. Er steuert gekonnt und zielsicher in den Hang, wir haben Mühe hinterher zu fahren. Die Sicht ist flach und es schneit wie wild. Die Pistenverhältnisse sind teilweise bis zu einem halben Meter Neuschnee, an schnelle Schwünge ist nicht zu denken. Also keine idealen Bedingungen. Zwischendurch bleibt er stehen wartet auf uns und erklärt mit seiner puren Leidenschaft „Hier springen sie (die Rennläufer*innen) bis zu 30 Meter und dann geht es scharf nach links weg. Und da ist die Michaela Shiffrin ausgefallen. „Bei so einem Wetter fahren die Profis gar nicht, aber wir alte Haudegen fahren bei jeder Witterung“. Wie wahr!!

Eigentlich wollte er zum Mittagessen mit uns zur Burgstallhütte in Richtung Abfahrt nach Flachauwinkel fahren, aber da die Pistenbedingungen nicht wirklich einladend sind, mussten wir ihn förmlich überreden, dass wir lieber in der Zauchenseearena im Stüberl unser Mittagessen einnehmen. „Wollt ihr es lieber gemütlicher haben“ meinte er verschmitzt.

Rupert Walchhofer mit unserem Herausgeber Friedrich Graf
©besser länger leben

Er ist wie ein Feuerwerk, er kann Geschichten erzählen, wie beispielsweise der erste Schlepplift am Rosskopf für die Genehmigung der Behörde „zurechtgebogen“ wurde. Oder wie er als vorerst angestellter Skilehrer in Radstadt, bei einer Gemeindeansprache in Zauchensee meinte „Ja es wird an der Zeit, dass es in Zauchensee eine eigene Skischule gibt“. Daraufhin wurde er gekündigt. Seine Kündigung wurde bald von Österreichischen Skilehrerverband aufgehoben und für nicht rechtens erklärt. Aber auch wie bei Bau des ersten Hotel, dessen Grundstück in den sumpfigen Ausläufer des Zauchensee gelegen war, das Grundwasser enorme Probleme machte. Erfindergeist war gefragt. Ganz Skilehrer verspeiste er beim Erzählen eine ordentliche Portion Spareribs – wie in jungen Jahren. „Ja wenn Du richtig Ski fährst, musst auch ordentlich essen“.

Wenn er sich so zurückerinnert, wie alles in Zauchensee mit dem Liftausbau begann, meinte er „Ja früher wollte jeder Bauer allein bleiben und stimmte einem Ausbau nicht zu. Erst seit den Skidata Terminals wurde das Liftangebot immer weiter ausgebaut. Heute kann man von Zauchensee bis nach Alpendorf mit Ski fahren. Zauchensee als idyllischer kleiner Ort mit Wurzeln, heute als Einstieg in Ski amadé – Salzburger Sportwelt“.

Eigentlich wollte er uns noch so viel von dem Pistenangebot zeigen, aber wir überredeten ihn es für heute es genug sein zu lassen. Wir kommen wieder und dann fahren wir mit ihm – hoffentlich bei Sonnenschein alle Pisten. Geredet und geplaudert haben wir dafür dieses Mal schon viel.

Was bleibt ist unsere Bewunderung von seinen enormen Tatendrang, seinem Pioniergeist und seiner sportlichen Kondition. So sind heute die Junggeblieben eben.

Wir ziehen unseren Hut (in echt unsere Skimütze) vor Rupert.

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