Oyster – eine Uhr wird 90 Jahre, eine kontinuierliche Innovation

Ein Meisterwerk feiert

Foto: Rolex

Eine kleine Geschichte über eine der besten Uhren. „Meine Herren, wir fertigen die beste Armbanduhr der Welt.“

Oyster – eine Uhr wird 90 Jahre. Im Januar 1927 sprach Rolex Gründer Hans Wilsdorf vor einer Versammlung von Uhrenfachhändlern, um seine letzte Kreation vorzustellen: die Rolex Oyster (englisch für „Auster“). Die erste vollkommen hermetisch schließende wasserdichte Armbanduhr der Welt, die einige Monate zuvor im Jahre 1926 eingeführt worden war. „Die bedeutendste Erfindung der letzten Jahre bei den Armbanduhren“, wie Wilsdorf erklärte. Seine Aussagen waren glaubwürdig und berechtigt: Er hatte in etwas mehr als 20 Jahren die Pioniermarke der Armbanduhr gegründet und etabliert, und aufgrund ihrer spektakulären Fortschritte in puncto Präzision und ihrer neuartigen Gestaltung konnte der Gründer mit Fug und Recht behaupten, in diesem Augenblick „mehr Erfolgsmodelle für den britischen Markt als die ganze Schweizer Produktion zusammen“ geschaffen zu haben.

„Die Auster ist eine muster-

gültige Hüterin ihres Hauses

und duldet absolut keinen Staub

oder sonstigen Schmutz.“

Die meisterhafte Beherrschung der Präzision

Foto: Rolex

Die Ganggenauigkeit war Hans Wilsdorfs Hauptanliegen. 1910 erhielt eine Rolex Armbanduhr von einer offiziellen schweizerischen Prüfinstanz für Uhrgangkontrollen als Erste ein Chronometerzertifikat – eine offizielle Auszeichnung für Präzision. Eine Armbanduhr war erstmals so genau wie eine Taschenuhr, die damals als Referenz galt. 1914 erfuhr die verblüffte Uhrenindustrie, dass es einer Rolex Armbanduhr gelungen war, vom britischen Kew­Observatorium, der damals höchsten Instanz für chronometrische Präzision, einen Präzisionsgangschein der „Klasse A“ verliehen zu bekommen. Diese Bescheinigung war bis dahin gewöhnlich den imposanten Marinechronometern vorbehalten, die dazu 45 Tage lang außerordentlich strenge Tests zu absolvieren hatten. Rolex bewies erstmals – und das hielt damals kaum einer für möglich –, dass eine Armbanduhr es mit den präzisesten Zeitmessern aufnehmen konnte.

Durch diese Erfolge trug Rolex erheblich dazu bei, dass das Vertrauen in diese Art von Uhren zunahm, die bis dahin als weibliche Accessoires empfunden worden waren, deren Präzision eher dem Zufall überlassen war. In einem anlässlich des 40­jährigen Jubiläums von Rolex 1945 herausgegebenen Dokument berichtete Hans Wilsdorf von den damals herrschenden Zweifeln: „Zudem waren die Uhren­ macher aller Länder skeptisch, sie sahen einen vollständigen Mißerfolg der Armbanduhr voraus. Sie führten unter anderem folgende Argumente ins Feld: 1. Der Mechanismus solcher Uhren, die notge­ drungen klein und fein sein müssen, würde der Heftigkeit der menschlichen Bewegungen nicht standhalten. 2. Staub und Feuchtigkeit würden einen solchen Mechanismus rasch zerstören, auch wenn er sehr solide gebaut wäre. 3. Ein solch kleines Werk könnte unmöglich genau sein, noch regelmäßig gehen.“

Nachdem Hans Wilsdorf die Herausforderung der Ganggenauigkeit bewältigt hatte, begann er sich den beiden anderen zu widmen. Er sagte dazu: „‚Wir müssen ein hermetisch schließendes Gehäuse kon­ struieren, um unsere Präzisionswerke dauernd vor den Gefahren der Zerstörung durch Staub, Schweiß, Wasser, Hitze und Kälte zu schützen. Erst dann ist die vollkommene Präzision der Rolex Uhr gesichert‘, sagte ich immer wieder zu meinen technischen Mitarbeitern.“

Wasserdichtheit und absolute Zuverlässigkeit

Mit der Präsentation der Oyster verwirklichte der Rolex Gründer eine zweite visionäre Idee: Die Oyster bot „die Ideallösung für ein Problem, das alle umgetrieben hat, seit Armbanduhren am Handgelenk getragen werden“, erklärte er und kündigte an: „Ich prophezeie, dass die Oyster mehr als alles, was bisher unternommen wurde, dazu beitragen wird, dass immer mehr Männer Armbanduhren tragen.“

Mit der Oyster, so Hans Wilsdorf, sei es nicht mehr nötig, seine Armbanduhr abzunehmen, um sich die Hände zu waschen, zum Baden, wenn man in einer staubigen Werkstatt arbeitet oder wenn man stark schwitzt. „Sie können Ihre Oyster immer am Handgelenk tragen, egal was passiert, sie wird Sie niemals im Stich lassen.“ Eine nie wider­ legte Aussage, die die Oyster zur bevorzugten Armbanduhr zahlreicher Pioniere unter den Forschern und Entdeckern machte, die sie auf den höchsten Gipfeln der Berge bis in die Tiefen der Weltmeere trugen.

Foto: Rolex

Dank ihrem wasserdichten Gehäuse mit dem genialen patentierten System aus Lünette, Gehäuseboden und Aufzugskrone, die mit dem Mittelteil hermetisch verschraubt sind, gewährleistet die Oyster den optimalen Schutz des Uhrwerks. So stellt die Oyster ein uhrmacherisches Gesamtkonzept für die umfassende Verbesserung der chrono­ metrischen Leistungen dar, das Gehäuse und Uhrwerk mit einbezieht. Wenn Hans Wilsdorf die Oyster als „die bedeutendste Erfindung der letzten Jahre bei den Armbanduhren“ präsentierte, bedeutete dies, dass ihre Wasserdichtheit auch erhebliche Fortschritte im Hinblick auf die Langzeitpräzision mit sich brachte, wie der Rolex Gründer 1927 ausführlich erklärte: „Außer dass sie gegen Wasser, Schmutz und all diese Dinge beständig ist, bietet [die Oyster] gegenüber allen anderen Armbanduhren den sehr wichtigen Vorteil, dass sie ihre Ganggenauigkeit behält und nicht allmählich immer mehr abweicht, und dies aus dem einfachen Grund, dass die wahre Ursache dieser Schwankungen beseitigt ist. Wir alle wissen, dass die Zapfen [der Räderwerke] geölt werden müssen und dass das Öl all diese feinen Staubpartikel anzieht die ständig, wenn auch nur in sehr geringer Menge, in das Uhrwerk sämtlicher Armbanduhren eindringen, und sei ihr Gehäuse auch noch so sorgfältig gefertigt.

Durch die Drehung der Zapfen wird aus dem Öl allmählich eine Paste, die im Laufe der Zeit und je mehr Staub sich mit ihr vermischt, immer dicker wird. Diese Paste wirkt an den extrem dünnen Zapfen und Trieben wie Schleifpapier, wodurch sie sich nach und nach abnutzen, natürlich in relativ winzigem Ausmaß, aber doch genügend, um die Ganggenauigkeit zu verschlechtern. Da unsere Oyster keinen Staub eindringen lässt, behält sie stets ihre Ganggenauigkeit.“ Die Oyster hatte noch einen dritten Pluspunkt zu bieten. Hans Wilsdorf hatte die Bedeutung des ästhetischen Erscheinungsbildes der Armbanduhr erkannt, die viel auffälliger als die Taschenuhr getragen wurde: „Das Problem des hermetisch schließenden Gehäuses ist ein für alle Mal gelöst, und zwar so, dass die Schönheit der Gestaltung mit Nützlichkeit einhergeht.“

Eine kleine Geschichte – die Rolex Uhr Oyster, die vor 90 Jahren begann.

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