Ein Besuch der zweitgrößten und ältesten Stadt von Frankreich, zeigt die 26. Jahrhunderte lange Geschichte die sich im Wandel befindet. Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.
Für den Besuch von Marseille haben wir bewusst den Wintermonat Februar gewählt und in der Tat sind weniger Touristen in der Stadt. Es hat auch noch einen weiteren positiven Aspekt, man kommt mehr mit Einwohner in Kontakt und beobachtet deren tägliches Leben intensiver.
Wenn Sie nach Marseille kommen, empfiehlt es sich in einem Hotel in der Nähe des Alten Hafens einzuquartieren. Hier unser Tipp. Dann sind die Fußwege wesentlich kürzer und man kann gleich die Metro, die Straßenbahn oder die verschiedenen Buslinien für alle Besichtigungstouren wählen. Auch für einen Ausflug zur Insel du Frioul nimmt man im Alten Hafen die Schiffsfähre in der Nähe.

In Marseille gibt es eine Menge anzusehen und man ist gut beraten sich im Vorfeld der Reise ein kleines Besuchsprogramm zurechtzulegen. Eine Hilfe für ihr Programm finden Sie hier. Die Stadt hat 16 Bezirke und gesamt 111 Stadtviertel und zwangsläufig 111 verschiedene Gesichter – die es zu entdecken gibt.
Zuerst steuern wir den höchsten Platz in Marseille an

Als erstes fahren wir vom Alten Hafen mit der Buslinie 60 zur Kirche Notre-Dame de la Garde hoch. Oben angelangt spaziert man etwas zur Kirche und hat dabei einen wunderbaren Rundblick über die Stadt und gewinnt einen guten Eindruck von der Ausdehnung, den Straßen, Plätzen und erkennbaren Sehenswürdigkeiten rund um den Alten Hafen. Bedingt durch ihre Höhe weht auch mitunter ein gehöriger Sturm, sodass man unbedingt eine Windjacke dabeihaben sollte.
Die Notre Dame de la Garde prägt eine über 800 Jahre lange Pilgergeschichte und wurde von Architekten Henry Espérandieu entworfen. Sie ist 157 Meter hoch und das Wahrzeichen der Stadt. Der Glockenturm von Notre Dame de la Garde ragt 41 Meter in die Höhe.
Die als „La Bonne Mère“ bekannte Kirche hat drei Wandlungen durchgemacht. Ursprünglich 1214 als kleine Kapelle erbaut, wurde sie im 15. Jahrhundert wiederaufgebaut, bevor sie 1853 erneut abgerissen wurde, um Platz für eine größere Basilika zu schaffen. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, der groß genug war, um die seit dem Ausbruch der Cholera stetig wachsende Zahl von Pilgern aufzunehmen. Im Inneren befinden sich die verwendeten Materialien auf dem Höhepunkt ihrer Pracht: weißer Marmor aus Carrara und roter Marmor aus Brignoles neben Mosaiken im byzantinischen Stil.
Unter der Basilika wurde die Krypta direkt in den Felsen geschlagen. Sie wurde vor der Basilika fertiggestellt. Der Stilunterschied zwischen der Krypta und der Basilika ist bemerkenswert: auf der einen Seite die Basilika mit ihrer sehr reichen und goldenen Dekoration, auf der anderen Seite die Krypta mit ihrer sehr schlichten Dekoration, ohne Gemälde oder Ornamente. Die goldene Marienstatue, die an der Spitze der Kirche ist, ist 11,20 Meter lang und wiegt fast 9.796 kg! Sie wurde von der Firma Christofle gefertigt und muss alle 25 Jahre mit 500 Gramm Gold neu vergoldet werden.

Dieser strategische und historische Platz ist ein Pflichtbesuch in Marseille. Im Jahr 1516 reiste Franz I. aus dem Haus Habsburg-Lothringen nach Marseille und besuchte zusammen mit seiner Mutter und seiner Frau das Heiligtum von Notre Dame de la Garde. Er erkannte die Schwachstelle der Stadt: Sie war im Falle eines Angriffs von See aus ungeschützt. In Kenntnis der strategischen Lage des Gardehügels beschloss er, dort eine Festung und einen Militärstützpunkt zu errichten.
Für die Rückfahrt nehmen wir wieder die Busline 60, die uns direkt wieder zum alten Hafen bringt.
Ein Rundgang am Alten Hafen
Direkt vom Alten Hafen geht die Prachtstraße La Canebière die rund einen Kilometer lang ist und den Alten Hafen (Vieux-Port) mit dem Réformés-Viertel verbindet. In der Prachtstraße die im Jahr 1666 angelegt wurde befinden sich viele Kaffees, Geschäfte, Luxushotels, Kaufhäuser und Sehenswürdigkeiten. Hier schlendert man entlang und genießt seinen „café au lait“.

Weiter geht es eine kleine Runde am Alten Hafen entlang der Straße Quai du Port, vorbei am mondänen Hotel de Ville. Hier reiht sich ein Restaurant nach dem anderen. Hier isst man von teuer bis günstig – je nach Gusto und Budget, von Burger bis Bouillabaisse. Man sitzt je nach Wetterlage innen oder außen mit direktem Blick auf die vielen privaten Jachten. Es lohnt sich auch einen Blick nach oben zu werfen, hier sind es meist Wohnhäuser mit Terrassen samt Meerblick. Hier auf den Terrassen entdeckt man zumeist große Tische wo die Marseiller Essen, Trinken und Feiern – quasi in der ersten Reihe mit Blick zum Meer. Auf der anderen Seite praktisch zum Eingang in die Prachtstraße La Canebière findet man ein Wahrzeichen des modernen Marseilles, die Spiegelwand „L’Ombrière du Vieux-Port“, ein architektonisches Dach aus Spiegelfolien, dass als Schattenspender des Alten Hafens bekannt ist.
Am Alten Hafen findet das typische südländische Leben statt, seien es Gaukler, Musiker aus Marokko, Fischer und Fischverkäufer. Von hier gen Schiffe nach Afrika oder auch für Rundfahren auf die vorgelagerten Inseln weg. Ein idealer Platz ist dort auch ein kleines Eisgeschäft wo man Kaffee oder die berühmten Waffeln mit allerlei Früchten, Orangenlikör und Eis.
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Heute fahren wir auf die Frioul-Inseln (Îles du Frioul)

Die Frioul-Inseln sind eine felsige Inselgruppe im Mittelmeer – die eng mit dem literarischen Werk „Der Graf von Monte Christo“ verbunden ist, nur rund 4 km vor dem Hafen von Marseille, entfernt und man fährt mit der Fähre rund 25-30 Minuten, je nach Wetterlage. Die vier Inseln, darunter die Hauptinseln Ratonneau und Pomègues, sind bekannt für ihre karge Landschaft, kristallklares Wasser, kleine Strände, eine historische Quarantänestation und ein geschütztes Naturschutzgebiet. Es gibt unweit vom kleinen Hafen auch einige Appartements die man mieten kann.
Nach ausgiebigen Fußmärschen in der City von Marseille tut hier die Einsamkeit, die Ruhe und die Natur richtig gut. Ein Platz um Sonne zu tanken und sich zu erholen. Für die Rückfahrt von der Insel beachten Sie bitte den Fahrplan der Fähre.
Am Abend wäre vielleicht ein Besuch in einem typischen Bistrot das auf Meeresspezialitäten spezialisiert ist das Richtige um den Abend schön ausklingen zu lassen.
Morgen besuchen wir das charmante Stadtviertel Les Goudes
Les Goudes ist das vorletzte Dorf im Südosten, das zu Marseille gehört. Dann kommt nur noch Callelongue und es beginnt das Massiv des calanques. Hier muss man zu Fuß gen, am besten starten man Centre Bourse und sein Museum und besichtigt dabei den antiken Hafen. Überreste des alten römischen Holzschiffes findet man noch dort. Dann wandert man zu Fuß die Rue de la Loge vorbei an dem alten Museum der Docks, Richtung Le Panier. Hier erkundet man das Vielle Charite. Die Vieille Charité (=Alte Charité) ist ein ehemaliges Armenhospiz. Dieses ehemalige Hospiz aus dem 17. Jahrhundert liegt im Viertel Panier und besteht aus mehreren Flügeln, die nach außen hin geschlossen sind und sich durch Galerien auf drei Ebenen zu einem rechteckigen Hof hin öffnen.


In der Mitte befindet sich eine Kapelle mit ovaler Kuppel im italienischen Barockstil, ein Werk von Pierre Puget. Die Vieille Charité steht seit 1951 unter Denkmalschutz. Heute ist esein multidisziplinäres Zentrum mit wissenschaftlicher und kultureller Ausrichtung.

Von hier aus schlendert man zur Kathedrale de la Mayor, vorbei an alten kleinen Fischerhäuser, die sehr bunt sind und Großteil mit Graffitis bemalt sind. Heute sind es mitunter auch mietbare Airbnb-Wohnungen. Angenehm und preiswert für Touristen, doch die Einwohner stört dies zumeist und man findet auch viele Graffitis mit „Airbnb- Go home“ Hinweisen.
Ein Besuch in der Kathedrale lohnt sich: Die neue Kathedrale La Major wurde von Léon Vaudoyer zwischen 1852 und 1893 in einem romanisch-byzantinischen Stil erbaut. Ihr „exotischer“ Stil und die prunkvolle Innenausstattung lassen unweigerlich an Kirchen im Orient denken. Es handelt sich um die größte Kathedrale, die seit dem Mittelalter gebaut wurde. Es finden laufend auch Ausstellungen statt, derzeit ein beeindruckende bunte Glasinstallation.

Am Weg zum Museum neben dem Fort Saint-Jean Museum und der Grotte Cosquer spaziert man noch an der Avenue Vaudoyer Arkcaden vorbei, die einmal Lager- und Warenhäuser für den nahe gelegen Hafen waren. Heute findet man dort unter anderen vorzügliche Schokoladeproduzenten und man kann sich durchkosten und einige Mitbringsel einkaufen.
Unsere letzte Station ist das Museum MuCEM und die Grotte Cosquer
Der Besuch des National Museums in Marseille ist ein Pflichtprogramm – allein schon wegen seiner außergewöhnlichen Architektur. Ein moderner Betonwürfel mit einer markanten Spitzen-Fassade, entworfen von Rudy Ricciotti. Es ist das erste große Nationalmuseum Frankreichs, das außerhalb von Paris angesiedelt wurde. Es ist überdies eines der größten historischen Museen Europas, das direkt an eine archäologische Ausgrabungsstätte (Port Antique) grenzt.
Das MuCEM ist ein multidisziplinäres Museum, das sich der Geschichte, Anthropologie und Kunst des Mittelmeerraums widmet. Das Museum erstreckt sich über drei Standorte, die permanente unterschiedliche Ausstellungen bietet. Ganz oben gibt es eine Dachterrasse und ein Restaurant. Von der Dachterrasse kann über einen eigenen Betonsteige hoch über dem Meer, direkt zum Fort Saint-Jean Museum gehen. Nur für Schwindelfreie, aber es ist einen Versuch wert.

Einer der echten Höhepunkte in Marseille ist der Besuch der Höhle Cosquer. Sie war lange Zeit besiedelt, von 33.000 bis 19.000 v. Chr., und wurde von zwei großen Epochen quasi ununterbrochen geprägt. Aber finden Sie demnächst einen eigenen Beitrag dazu.

Unser Fazit
Marseille ist eine impulsive Hafenstadt mit südlichem, teils arabischem Flair mit einem bedeutenden Hafen, viel Museen, viel Geschichte und Kultur und ist eine Reise und einen Kurzbesuch wert. Auch die Flugzeit von Wien ist nur 1,5 Stunden. Wäre doch etwas.





Muss eine sehr aufregende Stadt sein.
Sicher einen Besuch wert.
Schöne Bilder. Ist es nicht sehr gefährlich dort. Jede Hafenstadt zieht Kriminalität an.
Wir waren vor vielen jähren in Marseille. Danke für die Auffrischung. Wir werden wieder einmal nach Marseille fahren.