Wenn sie in die polnische Region Oberschlesien reisen, sollte sie unbedingt einen Halt in Pszczyna einplanen.
Mitten im Herzen der charmanten Stadt erhebt sich das prachtvolle Schloss Pless (Zamek Pszczyński), das zu den schönsten erhaltenen Schlossanlagen Polens zählt. Seine original erhaltenen Prunkräume, die bewegte Geschichte und der weitläufige Schlosspark machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Ursprünge des Schlosses reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück
Damals befand sich an dieser Stelle eine mittelalterliche Burg, die den wichtigen Handelsweg zwischen Krakau und Mähren schützte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten mehrfach die Besitzer. Nach den Piasten und der ungarischen Familie Thurzó gelangte die Herrschaft an die Familie Promnitz. Im 18. Jahrhundert übernahmen schließlich die Fürsten von Anhalt-Köthen-Pless das Anwesen, bevor es 1847 durch Erbschaft an die bedeutende Adelsfamilie Hochberg von Pless überging.
Sein heutiges märchenhaftes Aussehen erhielt das Schloss zwischen 1870 und 1876. Im Auftrag von Fürst Hans Heinrich XI. von Hochberg wurde die frühere Renaissance- und Barockresidenz umfassend im Stil des französischen Neobarocks umgebaut. Vorbild war das berühmte Schloss von Versailles. Prächtige Salons, ein imposanter Spiegelsaal, kostbare Wandverkleidungen, kunstvolle Stuckdecken und wertvolle Möbel zeugen noch heute vom außergewöhnlichen Reichtum der Familie Hochberg.

Schloss Pless war zudem ein beliebter Aufenthaltsort des deutschen Kaisers Wilhelm II
Der Monarch folgte mehrfach den Jagdeinladungen der Fürsten von Pless und kam regelmäßig in die ausgedehnten Wälder der Region, die als eines der bedeutendsten Jagdreviere Mitteleuropas galten. Die herrschaftlichen Jagden gehörten zu den gesellschaftlichen Höhepunkten der damaligen Zeit und zogen zahlreiche hochrangige Gäste aus Adel und Politik an. Die Besuche Wilhelms II. unterstrichen die herausragende Stellung des Hauses Hochberg innerhalb des Deutschen Kaiserreichs und machten Schloss Pless zu einem wichtigen Treffpunkt der europäischen Elite.

Besonders eng ist Schloss Pless mit einer außergewöhnlichen Frau verbunden
Fürstin Daisy von Pless. Sie wurde 1873 als Mary Theresa Olivia Cornwallis-West in eine anglo-irische Adelsfamilie geboren und wuchs in Wales auf. Die lebensfrohe, gebildete und außergewöhnlich schöne Engländerin heiratete 1891 den späteren Fürsten Hans Heinrich XV. von Hochberg. Schon bald galt Daisy als eine der schönsten Frauen Europas und bewegte sich in den höchsten Kreisen der europäischen Aristokratie.
Doch hinter dem glanzvollen Leben verbargen sich persönliche Schicksalsschläge. Die Ehe mit Hans Heinrich XV. verschlechterte sich im Laufe der Jahre zunehmend. Unterschiedliche Lebensvorstellungen, finanzielle Probleme der Familie und persönliche Konflikte führten schließlich zur Trennung. Die Scheidung wurde am 12. Dezember 1922 rechtskräftig. Danach lebte Daisy überwiegend getrennt von ihrer ehemaligen Familie und widmete sich verstärkt sozialen und wohltätigen Aufgaben. Sie setzte sich für Kranke, Kinder und Bedürftige ein und engagierte sich bereits früh für bessere hygienische Lebensbedingungen der Bevölkerung.
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Auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs hinterließ ihre Spuren im Schloss
Anders als viele andere Residenzen blieb Schloss Pless weitgehend von Zerstörungen verschont. Während des Krieges richtete die deutsche Wehrmacht hier zeitweise ihr Hauptquartier ein. In den Jahren 1944 und 1945 nutzte die Führung des Deutschen Reiches das Schloss zudem für militärische und administrative Zwecke. Dadurch blieb die wertvolle Inneneinrichtung größtenteils erhalten, sodass Besucher heute zahlreiche originale Räume bewundern können.
Nach Kriegsende ging das Schloss in staatlichen Besitz über. Heute gehört es der Stadt Pszczyna und beherbergt das Schlossmuseum, eines der bedeutendsten Adelsmuseen Polens. Die historischen Wohnräume, der Festsaal, die Bibliothek, die fürstlichen Gemächer und zahlreiche Kunstschätze vermitteln einen faszinierenden Eindruck vom Leben des europäischen Hochadels um die Jahrhundertwende. Das Schloss ist ganzjährig für Besucher geöffnet und zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Region.
Ebenso beeindruckend wie das Schloss selbst ist der weitläufige Schlosspark
Der mehrere Dutzend Hektar große Landschaftspark lädt mit seinen alten Baumalleen, romantischen Brücken, gepflegten Blumenanlagen und idyllischen Spazierwegen zum Verweilen ein. Im Frühling und Sommer verwandeln blühende Rhododendren, Rosen und jahrhundertealte Bäume den Park in eine grüne Oase. Auch zahlreiche Eichhörnchen und freilebende Pfauen sorgen für eine besondere Atmosphäre.
Ein Besuch in Schloss Pless ist weit mehr als eine Reise in die Vergangenheit. Hier begegnen sich europäische Geschichte, prachtvolle Architektur, bewegende Schicksale und eine außergewöhnliche Parklandschaft auf einzigartige Weise. Wer Oberschlesien entdeckt, sollte sich dieses kulturelle Juwel keinesfalls entgehen lassen. Schloss Pless begeistert Geschichtsfreunde ebenso wie Gartenliebhaber und bietet einen unvergesslichen Einblick in das glanzvolle Leben einer der bedeutendsten Adelsfamilien Europas. All dies können Sie bei einer Führung mittel Audi-Guide in deutscher Sprache erleben.
Die aktuellen Eintrittspreise (2026) für die Besichtigung der historischen Schlossräume (19. und 20. Jahrhundert) betragen:
- Erwachsene: 50 Złoty
- Ermäßigter Eintritt: 30 Złoty – gilt unter anderem für Senioren ab 65 Jahren sowie Pensionisten.
- Senioren ab 75 Jahren zahlen sogar nur 10 Złoty.
Zusätzlich können gegen einen kleinen Aufpreis weitere Ausstellungen wie die Rüstkammer oder die Porträtgalerie besichtigt werden.

Vom Schloss führt der Blick direkt auf den weitläufigen Pszczynaer Marktplatz, der mit seinen liebevoll restaurierten Bürgerhäusern, gemütlichen Cafés und historischen Fassaden zu den schönsten Stadtplätzen Oberschlesiens zählt. Die harmonische Verbindung aus Schloss, Park und Altstadt verleiht Pszczyna einen ganz besonderen Charme. Nur wenige Schritte trennen die fürstliche Residenz vom lebendigen Zentrum der Stadt – ein ideales Ziel, um Kultur, Geschichte und entspanntes Flanieren miteinander zu verbinden. Oder auch mit einem Essen und einem gutes polnisches Bier verbinden.
Hier finden Sie alle weiteren Informationen www.zamek-pszczyna.pl




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