Die Inflation ist galoppierend – Was bedeutet das für uns Ältere?

Viele Jahre bis zur Pandemie hatten wir uns daran gewöhnt, dass die Inflation sehr niedrig geworden war, auch wenn dies nicht im gleichen Ausmaß für die Kosten des täglichen Lebens zugetroffen hat. Aus Angst vor einer Deflation, d.h. einer schrumpfenden Wirtschaft, hatte sich die Notenbank das Ziel gesetzt, eine Inflationsrate von 2% zu erreichen. Trotz historisch niedriger, ja sogar Negativzinsen, haben sie dies nicht erreichen können. So wie vieles andere hat die Pandemiekrise auch diesen Bereich durcheinander gebracht, sodass wir inzwischen eine Inflationsrate von über 5%, in Amerika sogar noch weit mehr, nur die Schweiz deutlich weniger, beklagen müssen.

Lebenserhaltungskosten explodieren

Noch schlimmer allerdings ist es, dass die Lebenserhaltungskosten, nicht zuletzt als Folge der Energiepreisexplosion, über 10% gestiegen sind, wovon vor allem die einkommensschwächsten Haushalte besonders und geradezu von Energiearmut betroffen sind. Der Ukraineschock wird diese Entwicklung noch verstärken. Üblicherweise entsteht Inflation, wenn eine zu große Geldmenge nach zu wenig Warenangebot jagt. In einem solchen Fall können die Notenbanken wirkungsvoll durch Erhöhung der Geldmenge und Anhebung der Zinsen eingreifen. Doch dies trifft derzeit nicht zu. Vielmehr sind die Sparquoten deutlich gestiegen, gleichzeitig wird zu wenig investiert oder kann nicht investiert werden, weil in allen möglichen Bereichen Angebotslücken entstanden sind.

©Dr. Hannes Androsch

Lieferengpässe und Rohstoffkostensteigerungen

Das heißt die Pandemie hat bewirkt, dass wir mit einigen Angebotsschocks wie Lieferengpässen Transport- und Rohstoffkostensteigerungen und Lieferschwierigkeiten konfrontiert sind. Eine solche Situation kann man aber nicht mit der Verringerung der Geldmenge bekämpfen. Damit würde man, sowie mit höheren Zinsen, nur die schwache Konjunktur abwürgen und in einer Stagflation enden. Erschwert wird die Lage auch noch durch die wenig überlegten klima- und energiepolitischen Maßnahmen, mit denen einerseits alte Energielieferanten beseitigt wurden und werden, ohne neue geschaffen zu haben, wozu noch geopolitische Schwierigkeiten kommen, mit der Folge einer Greenflation, d.h. einer Energieexplosion ohne Energiewende und ohne Klimaschutz.

Investitionen in Technologieoffenheit

Will man das ändern, muss man riesige Investitionen in Technologieoffenheit bei Nutzung von Brücken- und Ausgleichstechnologien vornehmen. Eine solche Vorgangsweise braucht allerdings nicht nur riesige Investitionssummen sondern auch beträchtliche Zeit. Insgesamt werden wir mit Jahren geringeren Wachstums, schwächerer Produktivitätssteigerungen und höherer Inflation bei zunehmender Arbeitskräfteknappheit konfrontiert sein. Um diese Probleme zu lösen muss man statt flotter Propaganda und utopischer Ideologie mit evidenzbasiertem Realismus an die Aufgaben herangehen.

Dr. Hannes Androsch

3 Kommentare

  1. Wie recht Herr Dr. Androsch hat. Es ist nur mehr Show-Politik.
    Ganz arg finde ich unsere Oposition – statt Programmideen zu entwickeln, können die nur anpassen und Unfrieden stiften.
    Wo sind die Persönlichkeiten.

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