Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterin bleiben Top-Risikofaktoren

Im Bild v.l.n.r.: - Helmut Schulter (Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Herzverbands) - Univ.-Prof. Dr. Christian Hengstenberg (Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum AKH Wien/ MedUni Wien) - Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek (Ordensklinikum Linz) Foto: Eipeldauer-Consulting e.U./APA-Fotoservice/Schedl

Zum Weltherztags am 29. September stellt die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) wesentliche Elemente der neuen Guidelines vor.

Diese Guidelines werden turnusmäßig alle fünf Jahre aktualisiert. „Gleich vorweg: Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterin und psychosoziale Aspekte sind durch die neuen Guidelines nicht plötzlich als Top-Risikofaktoren unmodern geworden. Wirklich neu ist aber die Aufforderung an uns Kardiolog*innen, genauso wie an die Patient*innen, künftig unter dem Titel des so genannten ’shared decision makings‘ beim Thema Herzprävention gemeinsam, abgestimmt und stufenweise vorzugehen. Therapieentscheidungen sollen gemeinsam getroffen werden, damit individuelle Präventionsziele besser und nachhaltiger erreicht werden können“, erklärten Univ.-Prof. Dr. Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum AKH Wien/ MedUni Wien und ÖKG-Past President Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek (Ordensklinikum Linz) unisono in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Herzverbands Helmut Schulter.

Univ.-Prof. Dr. Christian Hengstenberg (AKH Wien/ MedUni Wien) – „Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben der Killer Nr. 1, wesentliche Risikofaktoren können wir aber sehr gut managen“

Beim Kongress der Europäischen Kardiologen (ESC), der vom 27. bis 30. August in digitaler Form stattfand, wurde eine neue Leitlinie für kardiovaskuläre Prävention vorgestellt. „Mit ’shared decision making‘ durch Fachärzt*innen und Patient*innen erhoffen wir uns, die individuellen Präventionsziele besser und vor allem dauerhaft zu erreichen. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind nach vor der Killer Nummer 1, häufiger als Krebserkrankungen. Der Herzinfarkt, die Verstopfung von Herzkranzgefäßen, wird durch unterschiedliche Risikofaktoren begünstigt. Neben solchen, die uns mitgegeben sind, wie Alter, Geschlecht oder genetische Disposition, können wir etwa das Rauchen, hohen Blutdruck, Diabetes mellitus oder auch hohe Blutfette beeinflussen. Gemeinsam mit den Patient*innen lässt sich das Risiko besser managen“, so Hengstenberg in seinem Statement. Laut Statistik Austria verstarben 2020 in Österreich rund 92.000 Personen, 35,7 Prozent der Todesfälle wurden durch Herz-Kreislauf-Krankheiten und 22,9 Prozent durch Krebs verursacht

„Wenn mich Patient*innen fragen, wie sie es mit dem Rauchen halten sollen, sage ich ihnen, dass es aus medizinischer Sicht keine Diskussion geben könne: Etwas anderes als einen Rauch-Stopp kann ich niemandem empfehlen.“ Der Risikofaktor Diabetes hingegen habe sich von einer unheilbaren zu einer gut therapierbaren Krankheit gewandelt. Hengstenberg zum Thema Diabetes-Therapie: „In den letzten Jahren stehen uns zusätzliche Wirkprinzipien zur Verfügung, die allesamt sehr gut verträglich sind und sich dabei positiv auf das Herzkreislaufsystem auswirken“, so der Kardiologe.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek (Ordensklinikum Linz) – ‚Shared decision making‘ erlaubt ein individuell abgestimmtes Vorgehen mit den Patient*innen“

„Bluthochdruck betrifft laut Schätzungen bis zu 50 Prozent aller Erwachsenen in Österreich und geht oft mit anderen Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen einher. Leider bleibt die Erkrankung oft lange unbemerkt – bis zum Schlaganfall, dem Herzinfarkt oder dem Lungenödem. Die Dunkelziffer ist hoch. Erst 2017 wurden bei einer Studie Blutdruckscreenings durchgeführt: 43 Prozent der Teilnehmer*innen ohne Therapie waren hypertensiv, aber auch über 63 Prozent der Teilnehmer*innen mit Therapie waren nicht ausreichend behandelt. Man muss leider feststellen, dass Blutdruck-Awareness und Blutdruck-Kontrolle in Österreich nicht zufriedenstellend sind, es besteht dringender Handlungsbedarf. Dabei wissen wir, dass mit sinkendem Blutdruck auch das kardiovaskuläre Risiko sinkt – und die gängigen Medikamente gegen Bluthochdruck, die so genannten Antihypertensiva, gut wirken“, stellte Siostrzonek klar.

Generell lasse sich bemerken, „dass die wesentlichen Risikofaktoren mit den aktuellen Wirkmechanismen sehr gut in den Griff zu bekommen sind“. Das gelte auch für Cholesterin. Siostrzonek: „Beim Management des LDL-C, dem so genannten ‚Low Density Lipoprotein-Cholesterin‘, gilt: Je niedriger, desto besser. Eine aktuelle Erhebung, an der ich mitgearbeitet habe, zeigt, dass auch hier in Österreich die Zielwerterreichung nicht ausreicht bzw. sogar rückläufig ist. Nicht zuletzt, weil sich dabei auch individuelle psychosoziale Aspekte adressieren lassen, erwarte ich mir viel vom Konzept des ’shared decision makings‘ mit den Patient*innen. Information und Aufklärung, gemeinsame Entscheidungen bei der Be- und Eingrenzung der Risikofaktoren sowie eine abgestimmte Auswahl der passgenauen Therapie sind für mich die Schlüsselfaktoren“, stellte Siostrzonek klar.

Helmut Schulter (Österreichischer Herzverband) – „Einen Herzinfarkt vergisst man nie“

„Für uns als Österreichischer Herzverband steht die Erhaltung bzw. Wiedererlangung und der Ausbau der Herzgesundheit im Zentrum. Unser Angebot setzt auf die Verbesserung des Umgangs mit dem Herz-Kreislauf-System. Es geht um ein Leben, wie es sich die Patient*innen wünschen“, erklärte Herzverband-Bundesgeschäftsführer Schulter. Die Einbeziehung der Psyche sei für Herzpatient*innen ebenso wichtig wie „Herzsport“ zur Förderung der Gesundheit und ein gesunder Lebensstil. Daher biete man Information ebenso wie Bewegungstherapie, Qigong und auch „Koronarwandern“. Der Austausch mit anderen Betroffenen, zB in einer Gruppe wie dem Herzverband, erleichtere es, das eigene Leben zu verändern. Die Freude dürfe dabei jedenfalls niemals zu kurz kommen. „Wichtig ist auch die regelmäßige Kontrolle der eigenen Gesundheit und die enge Abstimmung mit dem Internisten“. Schulter abschließend: „Einen Herzinfarkt vergisst man nie. Man sollte je nach Bedarf gesünder oder weniger essen, sich mehr bewegen, sich nicht mehr so stressen lassen und auf jeden Fall mit dem Rauchen aufhören. Ich habe durch viel Training und eine Umstellung meiner Lebensweise meine Beschwerden gut in den Griff bekommen. Heute genieße ich meine Freizeit und die Zeit mit meiner Familie. Auch diese Freude möchte ich gerne teilen.“

ots

3 Kommentare

  1. Hm ich selbst leide ja leider auch an Diabetes, da muss man wirklich nochmal eine spur besser auf sich aufpassen!

  2. Spannender Artikel. Um solche Themen mach ich sonst lieber einen großen Bogen, aber euer Magazin schafft es doch auch mich zu fesseln.

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