Pneumokokken-Impfung für Risikogruppen

Impfen schützt Foto: R_B_by_Tim-Reckmann_pixelio.de

Menschen mit chronischen Erkrankungen sind noch viel zu selten geimpft.

Insgesamt ist die Pneumokokken-Impfung, die gegen bakterielle Lungenentzündungen und invasive Pneumokokken-Erkrankungen – wie etwa Gehirnhautentzündung oder Sepsis (bakterielle „Blutvergiftung“) – schützt, in der Bevölkerung zwar bekannt, aber dieses Wissen führt nicht immer zur Umsetzung. Das gilt auch für chronische Kranke, wie eine Umfrage im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) zeigt. Menschen mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf- oder Diabeteserkrankungen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Lungenentzündung und auch für eine Verschlechterung ihrer Grunderkrankung. Dennoch sind viele von ihnen nicht gegen Pneumokokken geimpft.

Vier von zehn Österreicher:innen haben nach eigenen Angaben ein chronisches Gesundheitsproblem

Darunter viele Menschen mit chronischen Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes. Neben anderen, wie Personen mit immunsuppressiver Therapie, gelten diese drei Gruppen als Risikogruppen für Infektionskrankheiten wie Pneumokokken Lungenentzündungen. Nicht bei allen Betroffenen hat sich das auch schon herumgesprochen. Von den Menschen, die sich selbst als chronisch krank bezeichnen, gaben in einer aktuellen Umfrage im Auftrag des ÖVIH jedenfalls nur 22 Prozent an, in den letzten fünf Jahren gegen Pneumokokken geimpft worden zu sein. „Irgendwann einmal“ gegen Pneumokokken geimpft wurden immerhin 33 Prozent.

Chronische Lungenerkrankungen erhöhen Risiko für Lungenentzündungen

Etwa 800.000 Österreicher:innen leiden an COPD*, also einer chronischen Erkrankung, bei der die Lunge geschädigt und die Atemwege verengt sind. Daher haben Menschen mit COPD ein 8-fach höheres Risiko an einer Pneumokokken-Pneumonie zu erkranken. „Dass diese Personen außerdem ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf im Falle einer bakteriellen Lungenentzündung und für eine Verschlechterung ihrer COPD haben, liegt auf der Hand“, sagt Dr. Michael Meilinger von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf. Ähnliches gelte auch für Personen mit Asthma, unter dem etwa sechs Prozent der Bevölkerung leiden.[5] Daher wird diese Personengruppe im Österreichischen Impfplan auch ausdrücklich als Risikogruppe angeführt. Die Impfung wird für sie explizit empfohlen.

Spitalsaufenthalt verhindern

Ebenso für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Patient:innen mit chronischen Herzerkrankungen haben im Vergleich zu Gesunden ein bis zu 3,3 Mal erhöhtes Risiko an einer ambulant erworbenen Lungenentzündung und ein bis zu 9,9-fach erhöhtes Risiko an einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung zu erkranken. Doch damit nicht genug: Die Wahrscheinlichkeit mit einer Lungenentzündung ins Spital zu müssen ist bei dieser Patient:innengruppe fast zwei Mal so hoch wie bei Patient:innen ohne Herzprobleme. „Es gibt also sehr gute Gründe sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen“, betont Meilinger und fordert Betroffene auf, mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin über die Impfung zu sprechen. Diese gelten schließlich immer noch als wichtigste Informationsquelle.

Komplikationen bei Diabetes vorbeugen

Jede:r zehnte Erwachsene in Österreich ist von Diabetes betroffen. Erfreulicherweise konnten in diesem Bereich in den letzten Jahren schon viele Erfolge gefeiert werden. Dennoch bleiben Infektionskrankheiten wie Pneumokokken-Erkrankungen ein Problem.

Einzige Schutzmöglichkeit: die vorbeugende Impfung. Die amerikanische CDC listet daher eine ganze Reihe von Gründen auf, warum sich Menschen mit Diabetes gegen Pneumokokken impfen lassen sollten. Dort heißt es, dass sogar Menschen mit einer gut kontrollierten Diabeteserkrankung Infektionen schlechter bekämpfen können, womit das Risiko für schwere Komplikationen und sogar Tod steige. Außerdem, so die CDC, könne der Blutzucker durch die Erkrankung in gefährliche Höhen steigen.

Meilinger ergänzt: „Ein schlecht eingestellter Blutzucker erhöht die Komplikationen aufgrund einer Pneumokokken-Infektion noch mehr. Menschen mit Diabetes sollten daher auch zur Verbesserung ihrer Immunabwehr auf eine gute Blutzuckerkontrolle achten und sich unter anderem gegen Pneumokokken impfen lassen!“

Eine generelle Pneumokokken-Impfempfehlung – unabhängig von Vorerkrankungen – gibt es außerdem für alle Personen über 60 sowie für Kinder. Für letztere steht die Impfung im Rahmen des Kinderimpfprogramms gratis zur Verfügung.

Neben all den genannten Faktoren gibt es heuer noch einen weiteren guten Grund sich impfen zu lassen. Seit Kurzem sind nämlich in Österreich noch potentere, also stärker und breiter wirksame Konjugat-Impfstoffe, verfügbar. So ist ein langanhaltender Schutz gegen noch mehr Pneumokokken-Serotypen als bisher möglich.

ots

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