100 Jahre Republik Österreich im Jahr 2018

Gedanken zurück - Auf die nächsten 100 Jahre

Fassade des Parlaments © Parlamentsdirektion / Christian Hikade
Fassade des Parlaments © Parlamentsdirektion / Christian Hikade

Die Ausrufung der Republik Österreich erfolgte am 12. November 1918 um 15 Uhr.

Im Jahr 2018 feiert unser Land den 100. Jahrestag der Gründung der Republik. Um die Bundesregierung im Zusammenhang mit den zahlreichen, in diesem Gedenk- und Erinnerungsjahr stattfindenden Aktivitäten zu unterstützen, wurde im Oktober 2016 vom Bundeskanzler der „Beirat für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018“ eingerichtet.

Wie alles begann

Am 11. November 1918, einen Tag vor der Proklamierung der Republik Deutschösterreich, starb der Staatssekretär des Äußeren des in Entstehung begriffenen neuen Staates, der sozialdemokratische Vordenker und Parteiführer Viktor Adler. Als Arzt beschäftigte sich Adler – obwohl „Sohn aus reichem Haus und hätte sich können ein Leben der Bequemlichkeit und des Genusses erwählen“ (Vereinsblatt vom 15. November 1918) – Zeit seines Lebens mit der Verbesserung der harten und unmenschlichen Arbeitsbedingungen der einfachen Arbeiter in Wien. Er war Begründer der sozialistischen Wochenzeitschrift „Gleichheit“ und ab 1889 Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung. Auf dem Parteitag von Hainfeld im Jänner 1889 gelang Viktor Adler die Einigung der Sozialdemokratie, zu deren erstem Vorsitzenden er gewählt wurde.

Noch einen Tag vor seinem Tod durfte Viktor Adler seinen Sohn Friedrich, der am 10. November 1918 von der Haftanstalt in Krems-Stein nach Wien zurückkehrte, am Franz-Josefs-Bahnhof in die Arme schließen.

Nachruf auf Viktor Adler; © Vereinsblatt. Organ des Vereines der Heim- und Hausarbeiterinnen vom 15. November 1918
Nachruf auf Viktor Adler; © Vereinsblatt. Organ des Vereines der Heim- und Hausarbeiterinnen vom 15. November 1918

Die Arbeiter-Zeitung veröffentlichte die Nachricht vom Tod Adlers als erstes Medium in Österreich noch am 11. November 1918 auf ihrer Titelseite, während ein Redakteur einige Seiten weiter hinten noch über den gefährlichen gesundheitlichen Zustand von „Genosse Adler“ schrieb: „Genosse Dr. Viktor Adler, dessen Gesundheit, wie alle wissen, seit Jahren nicht mehr die beste war und der in den letzten Wochen schon schwer leidend war, ist Sonntag Nachmittag gefährlich erkrankt. Die gewaltigen Anstrengungen des neuen Amtes, das er in seiner bewunderungswürdigen Hingebung auf sich genommen, haben den ohnedies schwachen Organismus sehr angegriffen. Die Ärzte hoffen dennoch, dass der Krankheitsanfall überwunden werden wird.“

In das Jahr 2018 fallen aber noch einige andere „runde“ Jahrestage, die für die österreichische Erinnerungskultur von hoher Bedeutung sind

In das Jahr 2018 fallen aber noch einige andere „runde“ Jahrestage: das Revolutionsjahr 1848; das Jahr des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 – in diesem Jahr fand in der Nacht des 9. November auch das antisemitische Novemberpogrom statt; die Jahre 1948 (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) und 1958 (in diesem Jahr trat in Österreich die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten in Kraft) und das Jahr des „Prager Frühlings“ 1968.

Der Beirat unter dem ehrenamtlichen Vorsitz des ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer unterstützt verschiedene Projektvorhaben im Gedenk- und Erinnerungsjahr und ist in ständigem koordinierendem Austausch mit Bundes- und Ländereinrichtungen, Forschungs- und Lehreinrichtungen sowie Archiven, Museen und Bibliotheken, die Veranstaltungen für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 entwickeln.

Die Ausrufung der Republik

Die Ausrufung der Republik vor dem Parlament in Wien am 12. November 1918, Gemälde von Rudolf Konopa, 1918; © Wien Museum
Die Ausrufung der Republik vor dem Parlament in Wien am 12. November 1918, Gemälde von Rudolf Konopa, 1918; © Wien Museum

Der Ausrufung der Republik Österreich am 12. November 1918 um 15 Uhr von der Parlamentsrampe aus waren mehrere wichtige Schritte der Staatsbildung vorausgegangen. Kaiser Karls Völkermanifest vom 16. Oktober 1918, das einen Umbau der Monarchie in einen Bundesstaat ankündigte, kam zu spät, um die Habsburgermonarchie noch zu retten. Es sanktionierte den Zerfall und leitete die Bildung von Nationalräten der einzelnen Nationalitäten ein, der Südslawen, Polen und Tschechen.

Die provisorische Nationalversammlung

Am 21. Oktober 1918 konstituierten sich auch die deutschsprachigen Reichsratsabgeordneten im Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses als „provisorische Nationalversammlung des selbständigen deutschösterreichischen Staates”. Zusammengesetzt war diese aus 111 deutschnationalen, 70 christlich sozialen und 39 sozialdemokratischen Abgeordneten des alten Reichsrates. Der eigentliche Akt der Staatsgründung Österreichs, dessen Grenzen vorerst nicht feststanden, erfolgte am 30. Oktober: ein Staatsrat wurde eingerichtet, ein provisorisches Grundgesetz beschlossen und ein beanspruchtes Staatsgebiet definiert. Am 31. Oktober wurden die Staatsfarben rot-weiß-rot und ein vorläufiges Staatswappen (ein mit Hämmern versehener Stadtturm im Roggenkranz) festgelegt.

In Wien amtierten nunmehr parallel zwei Regierungen, die kaiserliche unter Ministerpräsident Heinrich Lammasch und die neue deutschösterreichische unter Staatskanzler Karl Renner. Was die Gesetzgebung betraf, so bestand der Reichsrat vorerst zwar weiter, setze aber keine Initiativen mehr. Das Abgeordnetenhaus trat am 12. November zu einer letzten Sitzung zusammen. Aber auch die Provisorische Nationalversammlung trat erst wieder am 12. November zusammen. Der Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. November wurde von der kaiserlichen Regierung abgeschlossen.

Neue Landesgewalten

Auch in den Ländern bildeten sich neue Landesgewalten. Schon am 22. Oktober versammelten sich im Niederösterreichischen Landhaus die Vertreter der autonomen Landesverwaltungen. Für die Länder wurden analog zur provisorischen Nationalversammlung „provisorische Landesversammlungen“ eingerichtet. Die neu konstituierten Länder erklärten ihren Beitritt zum neuen Staat.

Die Proklamierung der Republik

Hier das Video des BK Sebastian Kurz anlässlich 100 Jahre Republik Österreich beim Festakt.

Am 12. November versammelte sich eine mehr als hunderttausendköpfige Menschenmenge vor dem Parlament an der Wiener Ringstraße von wo aus Präsident Franz Dinghofer und Staatskanzler Dr. Karl Renner, begleitet von den beiden anderen Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung Karl Seitz und Prälat Johann Nepomuk Hauser am Nachmittag des 12. November die Republik proklamierten. Bereits am Tag davor hatte Kaiser Karl auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtet und die Entscheidung über die zukünftige Staatsform den Österreichern anheimgestellt.

Artikel I des Gesetzes über die Staats- und Regierungsform von Deutsch-Österreich lautete: Deutsch-Österreich ist eine demokratische Republik, Artikel II, Deutsch-Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik. In Artikel 9 des am 12. November beschlossenen Gesetzes über die Staats- und Regierungsform wurden die Grundsätze des Wahlrechts für die zu wählende konstituierende Nationalversammlung festgelegt. Sie sollte „auf der Verhältniswahl und auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ beruhen.

Das Frauenwahlrecht

Die ersten wirklich gleichen Wahlen mit Frauenwahlrecht erfolgten 16. Februar 1919. Anlässlich der konstituierenden Nationalversammlung zogen am 4. März 1919 die ersten acht weiblichen Abgeordneten ins Parlament ein: Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Maria Tusch für die Sozialdemokratische Partei sowie Dr. Hildegard Burjan für die Christlichsoziale Partei. 1927 wurde Olga Rudel-Zeynek mit ihrer Wahl zur Bundesratspräsidentin sogar die weltweit erste Frau, die an der Spitze einer parlamentarischen Körperschaft stehen durfte.

Wahlplakat der christlichsozialen Olga Rudel-Zeynek für die Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Der am 10. September 1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Saint-Germain gab dem neuen Staat den Namen „Republik Österreich“ und beinhaltete ein Anschlussverbot. Allen politischen und sozialen Problemen zum Trotz – Revolutionsgefahr, Grenzkonflikte, Hyperinflation – wurden zwischen 1918 und 1920 wichtige sozialpolitische Materien wie die Einführung des Achtstundentags, der Arbeitslosenversicherung, des Arbeiterurlaubs, der Betriebsräte, der Arbeiterkammern, des Mieterschutzes und die Verbesserung des Kollektivvertragsrechts und des Jugend- und Frauenschutzes geregelt.

Hier finden Sie noch weiterführende Informationen https://www.oesterreich100.at/die-republik-oesterreich.html

4 Kommentare

  1. Da haben wir ja einige besondere Jahrestage im Moment. Ein sehr schöner Bericht, gut, übersichtlich und informativ. Sowas lese ich gerne.

  2. Es ist ja wirklich schon fast 100 Jahre her, dass Frauen wählen dürfen. Wenn man sich ansieht wo wir heute stehen und wie viele Probleme wir immer noch mit der Gleichberechtigung haben, kann man das eigentlich kaum glauben. In diesen 100 Jahren hätte schon mehr passieren können.

  3. Ich habe gar nicht gewusst, dass Viktor Adler tatsächlich die Zeitung „Gleichheit“ selbst gegründet hat. Sehr bewundernswerter Mensch, ich empfinde tiefen Respekt vor ihm.
    Weiß eigentlich jemand warum sein Sohn in der Haftanstalt war?

  4. Also ich weiß ja immer noch nicht so ganz was ich von unserem Bundeskanzler Sebastian Kurz denn eigentlich halten soll, hin und wieder schafft er es auch mich zu überzeugen, aber dann kommen wieder Aktionen da kann ich mir nur auf den Kopf greifen, siehe UN-Migrationspakt…

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