Mount Everest – Der Traum eines 53-Jährigen

Gerhard Osterbauer am Mount Everest auf 8.848 m©Gerhard Osterbauer

Gerhard Osterbauer bezwang bisher 6 der Seven Summits. Heuer schaffte er auch den Mount Everest. Wie es ihm dabei ging, lesen Sie hier.

Als Gerhard Oberbauer „sein“ Projekt Mount Everest plante, schrieb man das Jahr 2019. Er war mit seinen 52 Jahren in der Topform seines Lebens. Er trainierte wie ein Besessener für sein großes Bergabenteuer. Ging zu Trainingszwecken sogar einmal 9 Mal hintereinander auf die Rax. Er war bereit, doch bei einem kleinen Training am Schneeberg rutsche er auf einer Eisfläche aus und riss sich eine Sehne in der Schulter. Aus war sein Traum, er musste operiert werden und stattdessen stand eine mehrmonatige Rebabilitation auf seinem Plan. Er intensivierte sein Training wieder und fast ein Jahr später, war er bereit, doch dann kam Corona und er musste wieder seinen Plan verschieben. Dann sperrte noch die chinesische Regierung Tibet für Ausländer.

Er, der schon die höchsten Berge aller Kontinente – die Seven Summits genannt, wie den Kilimandscharo im Jahr 1992 (5.895 m) in Afrika, dann im Jahr 202 den Aconcagua (6.962 m) in Südamerika und ein Jahr später den Elbrus (5.642 m) in Europa und im Jahr 2004 den Denali (6.194 m) in Nordamerika, 2005 den Mount Vinson (4.897 m) in der Antarktis und 2009 die Carstensz-Pyramide (4.884 m) in Ozeanien schaffte, war zum Warten verurteilt.

Sherpa Nawang, Gerhard Osterbauer am Mount Everest auf 8.848 m©Gerhard Osterbauer

Sein Ziel der Mount Everest im Himalaya, der höchste Berg der Welt

Der Mount Everest ist seit dem Jahr 1856 nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt. In Nepal heißt der Berg Sagarmatha und befindet sich im Mahalangur Himal in der Region Khumbu in Nepal an der Grenze zu China. Erstbesteigungsversuche gab es schon vorher, aber erst am 29. Mai 1953 gelang Edmund Hillary und Tenzing Norgay die Erstbesteigung. Unvergessen ist die Mount Everest Besteigung durch Reinhold Messner und Peter Habeler am 8. Mai 1978, erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff. Damit gehören beide zu den lebenden Bergsteiger-Legenden. Inzwischen wurde der Gipfel von rund 8.400 Bergsteigern erreicht, leider kamen auch 300 Bergsteiger dabei ums Leben.

Doch dann im Frühjahr 2022 kam der Tag und er startete sein Projekt, nachdem er vom österreichischen Bergsteigerfreund Hans Wenzel hörte, dass heuer sogar weniger Bergsteiger unterwegs sein werden. Er schloss sich einem 4-köpfigen Everest-Team (ein Ungar, ein Japaner, ein Schwede, eine Bergsteigerin aus Nepal und Gerhard Osterbauer) des nepalesischen Expeditionsveranstalters Climbalaya an. Also insgesamt musste er vier Jahre auf „sein“ Projekt, der Besteigung des 7. Seven Summits warten.

Gerhard Osterbauer©besser länger leben

Sein erstes Ziel war Kathmandu in Nepal, wo er noch zwei Tage genoss, er nochmals all seine Pläne durchging und innere Kraft holte. Danach brach er auf zu einem 10-tägigen Fußmarsch bis zum Basiscamp auf 5.360 Meter. Rund 500 bis 600 Bergsteiger und Helfer bereiten sich zu dieser Zeit für den Aufstieg vor und wohnten hier in Zelten – Bergsteiger, Sherpas, Köche und Helfer. Zur Akklimatisation an die Höhe ging er mehrfach zum Camp 1 auf 6.100 m, dann zum Camp 2 auf 6.400 m und wieder zurück, damit er seinen Körper an die Höhe gewöhnte. Sein Ziel war das das Camp 3 auf 7.300 m und das letzte Camp 4 auf 8.000 m.

Eisbruch©Gerhard Osterbauer

Gleich nach dem Basislager  folgt der gefürchtete Eisbruch des Khumbu Gletschers. Da es hier immer zu Eisbrüchen kommt, beschloss er nur zweimal aufzusteigen, einmal zur Akklimatisation und dann zur Besteigung der Mount Everest. Beim ersten Einstieg kam er in einen Bergsteigerstau, obwohl er schon um 1 Uhr nachts aufstieg. Seinen 2. Aufstieg durch den Eisbruch startete er daher schon vor Mitternacht und er wurde belohnt. Es waren nur rund 50 Bergsteiger mit ihm unterwegs.

Nach einer Erholungsphase im Biwak-Zelt im Camp 4 auf 8.000 m fühlte er sich bereit zum Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt. Er fühlte seine innere Kraft. Schon in Khatmandu vereinbarte er mit seinem Sherpa, dass er ihm seine Sauerstoffflasche bis auf 8.000 m tragen wird und er ihn erst dort treffen wird. Ab dem Camp 4 auf 8.000 m gehen Gerhard Osterbauer und sein Sherpa Nawang gemeinsam. Eine wertvolle Hilfe um den richtigen Aufstieg zu finden. Natürlich ist ein Aufstieg mit einer Sauerstoffflasche etwas anderes als gänzlich ohne. Aber Gerhard Osterbauer erklärt es mir so, dass zum einem der Aufstieg vom Camp 4 sowieso noch fast 1.000 Höhenmeter sei und er auch inzwischen 53 Jahre ist und da ist das Leistungsvermögen anders als mit 23 Jahren.

Am Weg zwischen 6.100 und 7.100 m war es unglaublich warm, sodass er seinen Daunenoverall erst im Camp 4 benötigte. Ganz im Gegensatz  war es auf der Gipfeletappe, gleich so kalt um die minus 30 Grad. Aber das gehört zu den Bedingungen, wie ein gutes Wetter, kein Schneefall und kein Wind. Gerhard hatte Glück und einen Traumtag erwischt. Als er den letzten Berggrat sah, wusste er, er wird es schaffen, denn es waren keine unüberwindbaren Hindernisse mehr zu erkennen. Sherpa Nawang führte ihn sicher und erfolgreich auf den 8.848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. Er sagt sogar zu mir, „Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft“. Kompliment für soviel Ehrlichkeit.

Sein Ziel ist geschafft

Gerhard Osterbauer am Mount Everest auf 8.848 m©Gerhard Osterbauer

Wieder zurückgekehrt nach Wien, hatte ich Gelegenheit mit ihm einiges zu besprechen, lesen Sie hier

Besser länger leben (BLL): Wo von lebst Du und wie lebst Du in Wien?

Gerhard Osterbauer (Gerhard): Ich lebe in Wien mit meiner Frau und meinen zwei Kindern (10 und 14 Jahre). Sie geben mir die Kraft und auch viel Verständnis für das Bergsteigen. Ich lebe vom Bergsteigen, von meinen Vorträgen, Büchern und Reiseberichten.

BLL: Was treibt Dich zu solchen Höchstleitungen und wie hältst du Dich fit?

Gerhard: Wie gesagt meine Familie, mein Liebe zu den Bergen. Es ist natürlich auch nicht immer einfach sich ständig bei Training und mit bergsteigen in Form zu halten. Aber bei meiner Everestbesteigung wusste ich warum ich so hart trainiere.

BLL: Was hast Du am 8.848 m hohem Gipfel als erstes gedacht?

Gerhard: natürlich war im ersten Moment eine Art inneren Zufriedenheit da, aber eigentlich kann ich es gar nicht in Worte fassen. Es ist ein so verrücktes Gefühl und irgendwie hatte ich auch etwas Sorge um den Abstieg durch den Eisgrat, denn es kann immer etwas passieren. Zum erfolgreichen Bergsteigen gehört auch Glück dazu. Wenn Du zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bist und eine tonnenschwere Eislawine abgeht, dann kann es auch gleich vorbei sein. Ich tue mir auch heute noch schwer das Erlebte in Worte zu fassen.

BLL: Was war eigentlich dein schönstes Bergsteigererlebnis?

Gerhard: Es war meine Expedition auf dem Mount Vinson in der Antarktis. Wir waren nur zu zweit. Diese Stille, diese Ruhe, fast unwirklich.

BLL: Was ist Dein nächstes Ziel?

Gerhard: Die nächste Zeit gehört meiner Familie, dass bin ich Ihnen schuldig. Vielleicht mache ich in 2024 einen weiteren 7.000 in Nepal. Aber bis dahin ist ja noch Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Nepal Hilfe

Nepalprodukte©besser länger leben

Er unterstützt mit seinen Vorträgen die Nepalhilfe https://www.nepalhilfe.at/home.html , die bisher in Nepal 28 Schulen finanzierte, wo nepalesische Kinder bestens ausgebildet werden.

Wenn Sie helfen wollen, hier können Sie helfen. https://www.nepalhilfe.at/service/spenden.html

4 Kommentare

  1. Gratulation an die Redaktion für diesen außerordentlichen Beitrag. Herr Osterbauer scheint ein wirklicher Extrembergsteiger zu sein. Mit 53 Jahren Kompliment.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.