Heiße Zeiten: Sechs Mythen rund um die Wechseljahre

Das biologische Geschehen „Menopause“

Wechseljahre Foto: Karin-Schmidt_pixelio.de

Die Menopause ist eine bedeutsame Phase im Leben einer Frau.

Wie die Wechseljahre individuell erlebt werden, hängt unter anderem davon ab, wie gut die Frau über die Vorgänge in ihrem Körper Bescheid weiß. Gut gemeinte Ratschläge sind oft wenig hilfreich, doch selbst in hartnäckigen Mythen steckt häufig ein Körnchen Wahrheit. Wir schauen uns sechs Mythen zum Thema Menopause genauer an.

  1. Die Wechseljahre beginnen mit 50

Das stimmt so nicht: Meist beginnen die Wechseljahre bereits mit Mitte 40. Die Produktion der Geschlechtshormone geht langsam zurück, der Rhythmus der Regelblutungen verlängert sich, bis die Blutungen gänzlich ausbleiben. Die sogenannte Menopause ist erreicht, wenn sich über den Verlauf von zwölf Monaten keine Monatsblutung mehr eingestellt hat. Das ist bei Frauen im Alter von durchschnittlich 51 Jahren der Fall. Ausnahmen bestätigen hier die Regel.

  1. Die Beschwerden sind alle hormonbedingt

Die Abnahme des Östrogenspiegels ist zwar für die wechseljahrestypischen Hitzewallungen und Schweißausbrüche verantwortlich – viele andere körperliche und seelische Veränderungen geschehen jedoch aus davon gänzlich unabhängigen Gründen. Veränderungen im Sexualleben, Stimmungsschwankungen oder ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen Männer in den mittleren Jahren ebenso wie Frauen. Die Hormone sind hier nur eine Ursache von vielen. Schließlich kann diese Lebensphase ebenfalls von großen Änderungen im Privat- und Berufsleben gekennzeichnet sein: Die Kinder ziehen aus, der Partner geht in Rente, finanzielle Veränderungen halten Einzug. Das kann für einige Menschen vermehrten Stress bedeuten und für das Auftreten von körperlichen Symptomen mitverantwortlich sein.

  1. Eine Hormonersatztherapie beugt Beschwerden vor

Die Menopause ist keine Erkrankung, sondern ein ganz natürlicher Prozess des Körpers. Zwar gibt es Möglichkeiten, auftretende Beschwerden mithilfe einer Hormontherapie zu reduzieren. Allerdings sollte die Einnahme von Hormonen immer mit Bedacht erfolgen: Eine langfristige Hormontherapie kann mit ernsthaften Nebenwirkungen einhergehen. Von einer präventiven Hormoneinnahme wird daher eher abgeraten. Trotzdem gilt eine akute Behandlung mit Östrogen- und Gestagen-Präparaten als wirksame Therapie gegen typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Schlafstörungen. Die Art und Dauer der Behandlung sollte dabei individuell abgestimmt und regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Bei urogenitalen Symptomen sind häufig auch Beckenbodenübungen und gezieltes Training der Blase erfolgreich.

  1. Die Ernährung wirkt Wunder!

Unter Freundinnen, in Frauenzeitschriften und in Internetforen kursieren die unterschiedlichsten Tipps zur geeigneten Ernährung in den Wechseljahren. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht spricht allerdings wenig dafür, während der Menopause auf geliebte Lebensmittel zu verzichten. Jedoch gelten generelle Empfehlungen der DGE während der Wechseljahre ganz besonders: Salz oder Alkohol sollten nur in Maßen konsumiert werden, Sport und Bewegung sind dagegen besonders wichtig.

  1. Mit dem Sex ist es vorbei

Bei etwa 30 Prozent der Frauen wird in Folge der Hormonumstellung die Scheidenschleimhaut trockener und empfindlicher. Wird die Schleimhaut auch bei Erregung nicht mehr richtig feucht, kann das zu Schmerzen beim Sex führen. Die Verwendung von Gleitmittel oder eine lokale Östrogenbehandlung können hier Abhilfe schaffen. Bei einigen Frauen lässt jedoch auch das sexuelle Verlangen nach – das muss allerdings nicht unbedingt hormonell bedingt sein. Paarprobleme, psychische Belastungen oder auch Nebenwirkungen von Medikamenten können an der verminderten Libido beteiligt sein. Ein Gynäkologe kann eine gute erste Anlaufstelle sein – der Frauenarzt kann körperliche Ursachen ausschließen und ist es gewohnt, vertraulich über sexuelle Themen zu sprechen.

  1. Die Menopause ist ein Tabuthema

Das muss keinesfalls so sein: Im asiatischen und afrikanischen Kulturraum ist mit dem Eintritt in die Menopause häufig eine gesellschaftliche Aufwertung verbunden. Autorität und Anerkennung der Frauen steigen, ihre Stimmen werden politisch eher gehört. Für diese Frauen ist die Menopause eine begrüßenswerte Entwicklung, die eine anstrengende Lebensphase beendet und einem neuen Lebensabschnitt Platz macht.

Das biologische Geschehen „Menopause“ ist weltweit das gleiche – über die individuelle und gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Lebensphase können wir allerdings in gewissem Maß selbst entscheiden.

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