Chancengleichheit – Karrieren sind auch ohne UNI möglich

Gut zu wissen

Vom Lehrling zur Managerin Foto: Konstantin-Gastmann_pixelio.de

Sozialer Aufstieg hängt laut Peter Brabeck-Letmathe Ex-Nestlé-Chef von der Bereitschaft ab, täglich dazuzulernen.

Das sind gute Nachricht, für alle Enkelkinder, Großeltern und Eletern, deren Kinder nicht unbedingt auf die UNI wollen. Allerdings:

„Das Wichtigste in der Ausbildung ist Lernen, lernen, lernen.“

Zu diesem Fazit kommt Peter Brabeck-Letmathe, Präsident Emeritus des Verwaltungsrates, bei Nestlé, im Gespräch „Eine Frage der Fairness“ im Rahmen der siebten Europäischen Toleranzgespräche http://fresach.org. Denn aus seiner Sicht ist die richtige Einstellung und der Wille, täglich dazuzulernen, letztlich wichtiger für Chancen auf sozialen Aufstieg als ein toller Uni-Abschluss.

Dauernd dazulernen

In seiner aktiven Zeit bei Nestlé habe er bei der Einstellung von Kandidaten nicht so sehr auf MBA-Abschlüsse von Top-Universitäten geachtet. „Alles, was Sie heute lernen, ist schon morgen ohne Nutzen“, erklärt er. Wichtiger als tolle Zeugnisse sei also der Wille, täglich dazuzulernen. Gelernt zu haben zu lernen gäbe also in Folge die Möglichkeit, auf der sozialen Leiter aufzusteigen. Zudem betont er, dass das Bildungssystem derzeit zu sehr darauf fokussiert ist, Schwächen auszumerzen. Es wäre aus seiner Sicht sinnvoller, auch die Stärken einzelner Schüler zu fördern.

Der langjährige Top-Manager findet es durchaus bedenklich, dass Statistiken zufolge Bildung hierzulande stark erblich ist. Er könne sich vorstellen, dass dieses Problem auch mit sprachlichen Barrieren bei Menschen mit Migrationshintergrund zusammenhängt, die einem Studium im Wege stehen. „Es gibt viele soziale Aufstiege für Leute, die nicht studieren“, betont er allerdings. Als Beispiel verweist Brabeck-Letmathe darauf, dass ein Handwerksmeister mit eigenem Unternehmen doch besser dasteht als ein Akademiker in einem eher unbedeutenden Bürojob.

Wichtige Mindeststandards

Zwar bezweifelt Brabeck-Lemathe, dass Wohlstand allein glücklich macht. Allerdings erfordert es aus seiner Sicht eine Mindestgrundlage, damit Menschen ihr Glück beispielsweise in einer erfüllenden Tätigkeit suchen können. „Ein Mindesteinkommen ist etwas, das man wirklich durchsetzen sollte“, meint der Wahl-Schweizer. Das gilt aus seiner Sicht vor allem angesichts veränderter sozialer Bedingungen. „Der soziale Impact der Pandemie kommt ja erst“, warnt er. Gerade Europa sehe die wirklichen Folgen bislang noch nicht.

Was Europa aus Sicht des Ex-Nestlé-Chefs sehr wohl spürt, sei die Veränderung der globalisierten Welt. Es verliere wirtschaftlich und politisch täglich an Wichtigkeit. Global gesehen bestehe zwar keine Frage, dass „die Globalisierung einen sehr positiven Einfluss hatte“. Für den Einzelnen und bestimmte Regionen allerdings, habe es aber Verschlechterungen gegeben. Brabeck-Lemathe verweist diesbezüglich auf das Beispiel der Region Detroit, der das globale Outsourcing in der Automobilindustrie stark zugesetzt hat.

Zerstückelte globale Welt

Der langjährige Top-Manager betont indes, dass die Corona-Pandemie hätte deutlich effektiver bekämpft werden können, wenn die WHO wirklich weltweit etwas zu sagen hätte. Doch ortet er eher Tendenzen, dass die globalisierte Welt sich weiter zerstückelt, etwa mit Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien oder Schottland.

Die Schweiz wiederum hat aus seiner Sicht berechtigte Bedenken, Vollmitglied des aktuellen EU-Konstrukts zu werden und damit Souveränität zu verlieren. Denn sie sei ein sehr demokratisches Land, in dem direkte Demokratie effizient funktioniere. „Die Schweizer machen in Referenden fast immer die richtige Entscheidung“, meint Brabeck-Lemathe. Die direkte Demokratie wirke dem Problem gegen, dass zu viele Politiker rund um die Welt eher „Machtversessenheit und Zukunftsvergessenheit“ an den Tag legen.

pte

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