Der neue Mazda 6e markiert für Mazda einen wichtigen Schritt: weg vom experimentellen Elektroauto hin zu einer alltagstauglichen, langstreckentauglichen E-Limousine.
Im unserem Test zeigte sich, dass der Japaner vieles richtig macht.
Design, Innenraum und Ausstattung
Mit 4,92 Metern Länge gehört der Mazda 6e klar in die Mittelklasse und wirkt dabei eher wie ein sportliches Coupé als eine klassische Limousine. Innen setzt Mazda auf hochwertige Materialien, viel Kunstleder und ein aufgeräumtes Cockpit. Serienmäßig sind bereits Dinge an Bord, die bei vielen Konkurrenten extra kosten: Head-up-Display mit Augmented Reality, großes Infotainment-Display, Panoramaglasdach, klimatisierte Sitze und ein hochwertiges Soundsystem.
Die Ausstattungslinien „Takumi“ und „Takumi Plus“ unterscheiden sich vor allem bei Materialien und Details. Insgesamt wirkt das Interieur hochwertig, wenn auch das Infotainment nicht ganz intuitiv ist.
Der Mazda 6e verfügt über einen elektrisch ausfahrbaren Heckspoiler, der automatisch oder manuell gesteuert wird. Im Normalzustand ist der Spoiler bündig in die Karosserie integriert und damit kaum sichtbar – das verbessert die Aerodynamik im Alltag.
Sobald eine höhere Geschwindigkeit erreicht wird (etwa ab 90 km/h), fährt der Spoiler automatisch aus. Dadurch verändert sich die Luftströmung am Heck des Fahrzeugs gezielt.
Das System erfüllt zwei zentrale Aufgaben:
- Erhöhung des Anpressdrucks:
Bei höherem Tempo drückt der ausgefahrene Spoiler das Fahrzeug stärker auf die Straße. Das verbessert die Fahrstabilität, insbesondere auf der Autobahn oder bei schnellen Kurvenfahrten. - Optimierung der Luftströmung:
Gleichzeitig hilft der Spoiler, Luftverwirbelungen hinter dem Fahrzeug zu reduzieren. Das kann die Fahrstabilität erhöhen und – je nach Situation – sogar den Luftwiderstand kontrollieren.
Zusätzlich reagiert er auf bestimmte Fahrzeugmodi:
- Im Car-Wash-Modus wird der Spoiler automatisch eingefahren, um Schäden zu vermeiden.
- Beim Annähern an das Fahrzeug kann er sich im Rahmen der Begrüßungssequenz leicht ausfahren und wieder einziehen – ein eher emotionales Design-Feature.
Im Alltag arbeitet das System weitgehend unauffällig. Der Fahrer muss sich nicht aktiv darum kümmern, da die automatische Steuerung sinnvoll abgestimmt ist. Wer möchte, kann jedoch bewusst Einfluss nehmen – etwa für eine sportlichere Fahrweise.
Interessant ist: Während der ausgefahrene Spoiler die Fahrstabilität erhöht, kann er theoretisch auch den Luftwiderstand leicht steigern. Deshalb fährt er bei niedrigen Geschwindigkeiten wieder ein, um Effizienz und Reichweite nicht unnötig zu beeinträchtigen.
Assistenzsysteme
Mazda liefert den 6e praktisch voll ausgestattet aus. Dazu gehören ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie ein umfangreiches Sicherheitspaket mit zahlreichen Airbags und Assistenzfunktionen.
Im Fahralltag arbeiten die Systeme solide, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der besten Premiumhersteller. Für lange Autobahnetappen reicht das Assistenzniveau aber vollkommen aus.
Fahrkomfort und Fahreindruck
Auf der Straße zeigt sich der Mazda 6e als komfortabler und sicherer Gleiter. Der Heckantrieb sorgt für eine ausgewogene Balance, die Federung ist eher komfortbetont abgestimmt. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne dass das Auto schwammig wirkt.
Mit rund 190 kW (258 PS) beschleunigt die Basisversion in etwa 7,6 Sekunden auf 100 km/h – ausreichend für souveränes Mitschwimmen im Verkehr. Bei 180 km/h wird automatisch abgeregelt.
Allerdings gibt es kleine Einschränkungen: Durch die flache Batterie ist die Sitzposition im Fond etwas niedriger, was großen Passagieren auffallen kann.
Platzangebot
Vorne bietet der Mazda großzügige Platzverhältnisse und bequeme Sitze. Hinten geht es ebenfalls ordentlich zu, wenn auch nicht klassenführend. Der Kofferraum fasst rund 336 Liter plus zusätzlichem Frunk vorne – insgesamt solide, aber kein Raumwunder. Für Familien oder Langstreckenreisen reicht das Angebot, besonders mit umgeklappter Rückbank.
Reichweite und Batterievarianten
Mazda bietet zwei Batteriegrößen an:
- 68,8 kWh (LFP)
- WLTP-Reichweite: ca. 479 km
- 80 kWh (NMC)
- WLTP-Reichweite: bis zu 552 km
Interessant: Die kleinere Batterie lädt schneller und bietet etwas mehr Leistung, während die größere Version eher auf maximale Reichweite ausgelegt ist.
Im Alltag liegen die realistischen Werte darunter. Auf der Autobahn sind etwa 350–420 km realistisch, je nach Fahrweise und Temperatur.
Verbrauch auf der Autobahn
Offiziell liegt der Verbrauch kombiniert bei etwa 16,5 kWh/100 km.
Auf der Autobahn steigt er jedoch deutlich an:
- moderates Tempo (über 120 km/h): ca. 19–21 kWh/100 km
- schneller gefahren: entsprechend höher
Damit bewegt sich der Mazda im üblichen Bereich für große E-Limousinen.
Preise
Die Preise sind für die Klasse vergleichsweise attraktiv:
- 68,8 kWh-Version: ab ca. 44.900 €
- 80 kWh-Version: ab ca. 46.500 €
- Topausstattung: bis rund 48.500 €
Fazit
Der Mazda 6e ist eine gelungene elektrische Limousine mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders überzeugen die umfangreiche Serienausstattung, der hohe Fahrkomfort und die ordentliche Reichweite – und sein attraktiver Preis.
Weniger stark sind das etwas umständliche Infotainment samt Gewöhnungseffekt, die begrenzte Ladeleistung der großen Batterie und kleine Abstriche beim Platz im Fond.
Unterm Strich ist der Mazda 6e aber ein sehr attraktives Gesamtpaket – vor allem für alle, die eine komfortable Alternative zu SUV-Elektroautos suchen.
Fotos©Mazda






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