Rund um Katowice: Kultur und Geschichte entdecken

Ehemalige Marktplätze laden heute zum Verweilen ein©besser länger leben

Unser Teil 2: Wenn Sie unseren Teil 1 über Katowice gelesen haben, werden Sie sich fragen, gibt es auch in der Umgebung etwas anzusehen.

Wer Katowice als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in die Umgebung nutzt, wird schnell feststellen, dass sich im Umkreis von einer Autostunde einige der schönsten Sehenswürdigkeiten Oberschlesiens befinden.

Historische Städte, prachtvolle Schlösser, traditionsreiche Brauereien und bewegende Schauplätze europäischer Geschichte liegen hier eng beieinander. Die folgende Route eignet sich ideal für einen Kurzurlaub ab Katowice für zwei Tage – wer mehr Zeit mitbringt, kann die Region auch ganz entspannt in drei Tagen erkunden. Hier einige Beispiele dazu.

Bielsko-Biała – Kulturhauptstadt 2026 und Heimat von Lolek & Bolek

Etwa 60 Kilometer südlich von Katowice liegt Bielsko-Biała, das 2026 als Polnische Kulturhauptstadt besonders im Mittelpunkt steht. Die Stadt am Fuße der Beskiden wird wegen ihrer eleganten Bürgerhäuser und Jugendstil-Fassaden oft als „Klein-Wien“ bezeichnet. Rund um den historischen Marktplatz laden gemütliche Cafés, kleine Boutiquen und Restaurants zum Verweilen ein. Sehenswert sind auch das Schloss der Sułkowski-Familie, die zahlreichen Kirchen sowie die Uferpromenade entlang der Biała.

Lolek & Bolek Figuren©besser länger leben

International bekannt wurde Bielsko-Biała aber vor allem durch das Studio Filmów Rysunkowych, eines der bedeutendsten Animationsstudios Osteuropas. Hier entstand eine der erfolgreichsten europäischen Zeichentrickserien überhaupt: Lolek & Bolek (im Original Bolek i Lolek).

Die Figuren wurden 1962 vom polnischen Autor und Regisseur Władysław Nehrebecki entwickelt. Produziert wurde die Serie vom staatlichen Animationsstudio in Bielsko-Biała. Zwischen 1963 und 1986 entstanden über 180 Episoden, mehrere Kurzfilme sowie Kinofilme. Fast ohne gesprochene Sprache funktionierten die Geschichten weltweit – Kinder verstanden die Abenteuer der beiden Brüder unabhängig von ihrer Muttersprache. Die Serie wurde in mehr als 80 Ländern ausgestrahlt und zählt bis heute zu den bekanntesten polnischen Exporten der Filmgeschichte. In der Stadt erinnern Denkmäler und Ausstellungen an die beiden beliebten Zeichentrickhelden.

Lolek & Bolek Figuren©besser länger leben

Pszczyna – Schlossromantik und Europas größte Wildrinder

Nur etwa 20 Minuten entfernt liegt Pszczyna, oft als eine der schönsten Kleinstädte Polens bezeichnet. Schon der historische Hauptplatz vermittelt mit seinen liebevoll restaurierten Bürgerhäusern und kleinen Cafés eine beinahe märchenhafte Atmosphäre.

Schloss Pless in Pszczyna muss man besichtigen©besser länger leben

Das größte Wahrzeichen ist das prächtige Schloss Pless in Pszczyna. Einst gehörte es den Fürsten von Hochberg, einer der reichsten Adelsfamilien Mitteleuropas. Anders als viele andere Residenzen überstand das Schloss beide Weltkriege nahezu unbeschädigt. Besucher erleben heute original eingerichtete Salons, Speisezimmer, Bibliotheken und Schlafgemächer, wodurch das Schloss zu den authentischsten Adelsresidenzen Europas zählt.

Direkt hinter dem Schloss beginnt ein weitläufiger Landschaftspark. Besonders beliebt ist das dortige Wiesentgehege, das man zu Fuß in rund 8 Minuten vom Schloss erreicht. Europas größte Landsäugetier und andere können hier beobachtet und fotografiert werden. Die mächtigen Wisente, die einst fast ausgestorben waren, werden hier erfolgreich gezüchtet. Für Familien gehört der Spaziergang zu den schönsten Naturerlebnissen der Region. Für den Besuch muss man zumindest 1,5 Stunden einplanen.

Goczałkowice-Zdrój – Erholung zwischen Heilquellen und Blütenpracht

Nur wenige Kilometer südlich von Pszczyna befindet sich der traditionsreiche Kurort Goczałkowice-Zdrój. Bereits im 19. Jahrhundert kamen Kurgäste wegen der mineralhaltigen Heilquellen hierher.

Heute laden gepflegte Parkanlagen, Spazierwege und das Kurviertel zum Entspannen ein. Besonders sehenswert sind die Kapias-Gärten, eine der schönsten privaten Gartenanlagen Polens. Auf mehreren Hektar wechseln sich Rosengärten, englische Landschaftsparks, japanische Gartenkunst und mediterrane Pflanzungen ab. Der Eintritt ist kostenlos – ein außergewöhnliches Ausflugsziel für Gartenliebhaber und Fotografen.

Nicht weit entfernt liegt zudem der große Goczałkowice-Stausee, der als wichtiges Trinkwasserreservoir dient und zahlreiche Vogelarten beherbergt.

Die Fürstliche Brauerei Tychy – Biergeschichte seit fast 400 Jahren

Ein Pflichtbesuch für Genießer ist die Fürstliche Brauerei Tychy. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1629 zurück. Gegründet wurde sie vom damaligen Besitzer der Herrschaft Pless, Adam Goczałkowski, der die günstigen Wasserquellen der Region für die Bierproduktion nutzte.

Früher Arbeiterwohnungen, heute Managementsitz©besser länger leben

Einen gewaltigen Aufschwung erlebte die Brauerei im 19. Jahrhundert unter Hans Heinrich XI. von Hochberg, Fürst von Pless. Er investierte in moderne Brautechnik, Eisenbahnanschlüsse und neue Produktionsanlagen und machte Tychy zu einer der bedeutendsten Braustätten Mitteleuropas.

Hans Heinrich XI. galt zudem als ungewöhnlich sozialer Unternehmer. Lange bevor soziale Verantwortung selbstverständlich wurde, ließ er Wohnungen für Arbeiter errichten, unterstützte Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Seine Fürsorge machte ihn bei vielen Beschäftigten beliebt.

Ebenso bedeutend war der Braumeister Julius Müller, der moderne Brauverfahren einführte und die Qualität des Bieres entscheidend verbesserte. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Bier aus Tychy weit über Schlesien hinaus zu einer bekannten Marke.

Heute führt das hervorragend gestaltete Brauereimuseum durch fast 400 Jahre Braugeschichte. Höhepunkt ist selbstverständlich eine Verkostung des berühmten Tyskie-Bieres.

Bierzubereitung©besser länger leben

Gliwice – Der Radiosender, der Geschichte schrieb

Den Abschluss einer Rundreise könnte der Ort Gliwice sein. Die Stadt besitzt eine reizvolle Altstadt mit Marktplatz, Rathaus und zahlreichen Restaurants. Weltbekannt wurde Gliwice jedoch durch seinen hölzernen Sendeturm.

Mit einer Höhe von 111 Metern gilt der Sendeturm als höchstes Holzbauwerk Europas. Seine historische Bedeutung reicht jedoch weit über seine beeindruckende Konstruktion hinaus.

ehemalige Radiostation©besser länger leben

Am Abend des 31. August 1939 fand hier der sogenannte Überfall auf den Sender Gleiwitz statt. Angehörige der SS inszenierten einen angeblichen polnischen Angriff auf den Radiosender. Über die Sendeanlage wurde eine kurze polnischsprachige Botschaft ausgestrahlt. Dieses fingierte Ereignis diente dem nationalsozialistischen Regime als propagandistischer Vorwand für den Überfall auf Polen am folgenden Morgen und damit für den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Unweit des Sendeturms informiert heute eine Ausstellung über die damaligen Ereignisse und ihre Bedeutung für die europäische Geschichte. Der Ort zählt zu den eindrucksvollsten Erinnerungsstätten Polens.

ehemalige Radiostation©besser länger leben

Unser Reisetipp

Die gesamte Rundreise der zuvor beschriebenen Sehenswürdigkeiten umfasst rund 180 Kilometer. Von Katowice nach Bielsko-Biała fährt man etwa eine Stunde, nach Pszczyna weitere 20 Minuten, nach Goczałkowice-Zdrój nur zehn Minuten. Von dort sind es rund 30 Minuten bis Tychy und anschließend etwa 40 Minuten nach Gliwice.

Sportliche Reisende schaffen die Strecke an einem langen Tag. Empfehlenswerter ist jedoch eine zweitägige Rundreise, bei der genug Zeit für Schlossbesichtigungen, Museumsbesuche, Spaziergänge und kulinarische Entdeckungen bleibt und auch mehr Urlaubfeeling bedeutet.

Als Unterkunft bietet sich das Qubus Hotel Gliwice an. Das moderne Vier-Sterne-Hotel liegt verkehrsgünstig zwischen Katowice und den wichtigsten Ausflugszielen der Region. Von hier aus lassen sich alle Stationen bequem erreichen – und man entdeckt eine Seite Oberschlesiens, die mit ihrer Vielfalt, Gastfreundschaft und spannenden Geschichte viele Besucher überrascht.

Hier noch einige Informationen https://www.polen.travel/de/die-wichtigsten-touristischen-attraktionen-der-woiwodschaft-slask/

2 Kommentare

  1. nette Orte im Umfeld von Katowice.
    Sollte man wirklich einmal besuchen
    Wenn man den Artikel ließt bräuchte man nur diesem Nachfahren. Dann ist man auf der sicheren Seite damit man alles findet.

  2. Sehr interessanter Beitrag und die nette Geschichte von Lolek und bolek – ich erinnere mich noch gut an die Geschichten.

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