Hotel Fitness-Check 2025: Wie geht es Österreichs Hotellerie

Foto©Thommy Weiss-pixelio

Vorweg in Kürze: Stabile Auslastung und eingependelte Energiepreise — Operatives Betriebsergebnis (GOP) verharrt allerdings auf niedrigem Niveau.

Die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT), die Prodinger Tourismusberatung und Kohl > Partner haben die aktuellen Kennzahlen der österreichischen Ferienhotellerie ausgewertet. Der Branchenvergleich gilt als größtes Benchmarking im Alpenraum in der Hotellerie mit heuer erstmalig über 1.000 Betrieben. Als bewährte Kooperationspartner sind auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) – Fachverband Hotellerie, die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) sowie der OeKB > ESG Data Hub beim Fitness-Check dabei.

Stabile Auslastung, eingependelte Energiepreise, aber GOP verharrt auf niedrigem Niveau

Der „Fitness-Check 2025 für Hotels“ zeigt, dass die Auslastung in vielen Betrieben auf gutem Niveau bleibt, die Energiepreise sich nach ihrem Allzeithoch etwas abgeflacht haben und der Wareneinsatz in Prozent der Gesamterlöse leicht gesenkt werden konnte. Gleichzeitig setzen kollektivvertragliche Lohnerhöhungen und dadurch weiter steigende Mitarbeiterkosten die Betriebsergebnisse massiv unter Druck – das operative Betriebsergebnis (GOP) hat sich, prozentual auf den Umsatz bemessen, auf einem historisch niedrigen Niveau eingependelt. ESG-Kennzahlen sind nunmehr fixer Bestandteil des Fitness-Checks. Diese stellen eine verlässliche Grundlage für eine zukunftsorientierte und wettbewerbsfähige Unternehmensstrategie dar.

Die massiv gestiegenen Mitarbeiterkosten, die bei den letztjährigen Kollektivverhandlungen beschlossen wurden – rächen sich nun und rechnen sich teilweise für Betriebe nicht mehr. Hier wird dann durch weitere Personalreduzierungen am falschen Fleck gespart und die Qualität geht in der Hotellerie weiter zurück. Die Situation, dass Österreich inzwischen zu hohe Produktionskosten und vor allem zu teure Personalkosten hat, verspürt auch die Industrie – wie das Beispiel KTM mit dem Standort in Mattighofen spürt und einen Teil der Produktion ins Ausland verlegen will.

„Die Hotellerie hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie Nachfrage schaffen und Preise durchsetzen kann. Aber die erzielbaren Gewinne halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Der GOP befindet sich auf einem niedrigen Niveau“, fasst Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, zusammen.

Auslastung gut, aber Umsatzdynamik flacht ab

Die Auslastung, gemessen in Vollbelegstagen (VBT), konnte insgesamt leicht gesteigert werden. Besonders die 3- und 3-Sterne- Superior-Hotellerie verzeichnete ein Plus, während die höheren Kategorien nur noch geringe Zuwächse zeigen.

Beim Gesamtumsatz je Zimmer fällt das Bild differenzierter aus:

  • In den 4-Sterne-Superior- und 5-Sterne-Betrieben kommt es zu spürbaren Steigerungen je Zimmer.
  • In der 3-/3-Superior- und klassischen 4-Sterne-Hotellerie sind hingegen nur moderate Zuwächse bzw. Stagnation erkennbar.

„Im Vergleich zum Jahr 2023 waren keine wesentlichen Umsatzsprünge mehr möglich. Die fortlaufenden Preisanpassungen im Beherbergungsbereich wirken zwar — können jedoch die massiven Kostensteigerungen nur teilweise kompensieren“, analysiert Stefan Brida, Senior Berater bei Kohl & Partner.

Mitarbeitende bleiben größter Kostentreiber

Besonders deutlich zeigt sich der Druck bei den Mitarbeiterkosten. Diese steigen im Median in allen Kategorien weiter um rund fünf bis sieben Prozent. Der Mitarbeiteraufwand je Vollzeitäquivalent (VZÄ) findet sich im oberen Quartil mittlerweile in allen Kategorien bei über 50.000 Euro pro Jahr wieder, der Median liegt bei 45.000 bis 48.000 Euro.

„Die Ergebnisse bestätigen, dass Mitarbeitende der zentrale Kostenfaktor sind und bleiben. In vielen Betrieben liegt der Mitarbeiteraufwand pro Kopf mittlerweile auf Rekordniveau. Das verstärkt den Druck auf die Gewinnmargen erheblich “, erklärt Matthias Matzer, Geschäftsführer der OeHT.

Auch die Struktur der Kosten verändert sich: Während die Wareneinsatz-Quote leicht zurückgeht, wächst der Anteil der Mitarbeiterkosten am Gesamtaufwand weiter an. Viele Betriebe arbeiten daher trotz guter Auslastung mit sehr engen Margen.

Energie: Vom Schock zur hohen neuen Normalität

Die Energieaufwände haben sich nach den starken Sprüngen der vergangenen Jahre auf entsprechendem Niveau stabilisiert. In Relation zum Umsatz sind keine weiteren dramatischen Ausschläge zu erkennen, sondern eher eine leichte Verflachung der Energiepreise.

„Die gute Nachricht: Der Energieschock der letzten Jahre setzt sich nicht in derselben Dynamik fort – die Kostenkurve flacht ab“, erläutert Helmut List, Geschäftsführer bei Kohl > Partner. „Die schlechte Nachricht: Das neue Normal liegt weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Wer in Effizienz und erneuerbare Energieträger investiert hat, steht heute klar besser da.“

Parallel dazu ist erkennbar, dass viele Betriebe ihre Marketingbudgets kritisch überprüfen: Der Marketingaufwand in Relation zum Umsatz geht tendenziell minimal zurück. Angesichts des intensiven Wettbewerbs birgt diese Entwicklung Chancen und Risiken, denn Einsparungen dürfen nicht zu Lasten der Sichtbarkeit und Positionierung gehen.

GOP-Margen stagnieren

Beim GOP in Prozent des Umsatzes zeigt der Fitness-Check 2025 ein ernüchterndes Bild:

  • n der 3-/3-Superior-Hotellerie ist eine Stagnation der Margen erkennbar.
  • Im 4-Sterne-Segment verharrt der GOP-Anteil ebenfalls auf dem Niveau des Vorjahres.
  • Lediglich im 4-Superior-/5-Sterne-Bereich zeigt sich im Median eine minimale Verbesserung von rund 0,4 Prozentpunkten.

In Euro gerechnet, also beim GOP pro Zimmer, sind insgesamt über alle Betriebstypen leichte Steigerungen im Median sichtbar.

Strategische Antworten: Effizienz, Positionierung und Preispolitik

„Wer heute in der Hotellerie erfolgreich sein will, muss an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen“, betont Marco Riederer, Co-Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. „Die klassischen Hebel – Auslastung steigern und Preise anheben – allein reichen nicht mehr. Gefragt sind eine klare Positionierung, effiziente Abläufe, professionelle Preispolitik und ein sehr bewusstes Mitarbeitermanagement.“

Die Hoffnung lebt, dass österreichischen Hotelbetreiber – die eine der tragenden Säulen für den gesamten Tourismus sind, überleben und in ihre weitere Zukunft investieren können.

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