100 Jahre Tiroler Zugspitzbahn – Eine Vision, die Berge versetzte

100 Jahre Zugspitzbahn-Orginalfoto von damals

Wenn eine Seilbahn ein ganzes Jahrhundert überdauert und dabei nichts von ihrer Faszination verliert, dann ist das weit mehr als eine technische Erfolgsgeschichte.

Die Tiroler Zugspitzbahn feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen – und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück, die von Pioniergeist, Mut und außergewöhnlicher Ingenieurskunst geprägt ist.

Als die Bahn am 5. Juli 1926 ihren Betrieb aufnahm, galt sie als Sensation. Sie war die erste Seilbahn Tirols und erst die zweite in ganz Österreich. Erstmals konnten Gäste den höchsten Berg Deutschlands bequem von der Tiroler Seite aus erreichen. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein wagemutiges Großprojekt, dass viele Zeitgenossen für kaum realisierbar hielten.

Gondel von heute fast fast 100 Personen und in rund 10 Minuten ist man auf 2.950 m©besser länger leben

Untrennbar mit dieser Erfolgsgeschichte verbunden ist der Name Dr. Hermann Stern. Der Rechtsanwalt aus Reutte war weit mehr als nur Initiator der Bahn. Er war Visionär, Wirtschaftsförderer und überzeugter Verfechter eines modernen Tourismus. Stern erkannte früh das enorme Potenzial der Zugspitze für die gesamte Region und setzte sich mit außergewöhnlicher Hartnäckigkeit für die Finanzierung und Umsetzung des Projekts ein. Gegen zahlreiche Widerstände gelang es ihm, Politik, Investoren und Ingenieure von seiner Idee zu überzeugen.

Die Bauarbeiten in dem hochalpinen Gelände verlangten den Arbeitern alles ab. Material musste über steile Felsflanken transportiert werden, Wetterumschwünge erschwerten die Arbeiten, und viele Arbeitsschritte waren für die damalige Zeit absolutes Neuland. Dennoch entstand innerhalb kurzer Zeit eine der spektakulärsten Seilbahnen Europas – ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das internationale Beachtung fand. Noch heute beeindruckt die Trassenführung, die sich scheinbar mühelos durch die schroffen Felswände bis zum Gipfel zieht.

Das Gipfelkreuz auf der Zugspitze©besser länger leben

Doch die Geschichte von Hermann Stern endet tragisch

Der jüdisch stämmige Unternehmer und Visionär geriet nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 ins Visier der Nationalsozialisten. Er verlor seinen Einfluss und seine wirtschaftliche Existenz. 1942 wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er wenige Monate später starb. Erst viele Jahrzehnte später wurde sein außergewöhnlicher Beitrag zum Bau der Tiroler Zugspitzbahn wieder angemessen gewürdigt. Heute gilt er als einer der bedeutendsten touristischen Pioniere Tirols.

Die Tiroler Zugspitzbahn war jedoch nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein Motor für die Entwicklung der gesamten Region. Besonders Ehrwald und Lermoos profitierten vom aufkommenden Bergtourismus. Aus kleinen Bergdörfern entwickelten sich beliebte Ferienorte, die Sommer wie Winter Gäste aus aller Welt anziehen. Wanderer, Bergsteiger, Skifahrer und Familien schätzen bis heute die beeindruckende Naturkulisse der Tiroler Zugspitz Arena und die herzliche Gastfreundschaft der Region.

Direkt an der Talstation der Bahn befindet sich heute das moderne Zugspitz Resort

Das familienfreundliche Resort verbindet alpinen Komfort mit einem vielfältigen Freizeitangebot und ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf die Zugspitze. Wellnessbereiche, großzügige Familienzimmer und zahlreiche Aktivitäten machen das Resort zu einer der beliebtesten Urlaubsadressen der Region.

Wer seinen Aufenthalt abwechslungsreich gestalten möchte, sollte auch die wunderschöne Seenlandschaft des Außerferns entdecken. Ein besonderer Geheimtipp ist eine Schiffsrundfahrt auf dem Heiterwanger See. Besonders reizvoll ist dabei die Frühstücksfahrt am Morgen: Während das Schiff lautlos über das glasklare Wasser gleitet und sich die umliegenden Berge im See spiegeln, genießen die Gäste regionale Köstlichkeiten an Bord. Ruhe, Natur und kulinarischer Genuss verbinden sich hier zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis. Übrigens das Schiff ist das erste Schiff mit einer Webcam an Bord. Sehen Sie hier: https://webtv.feratel.com/webtv/?cam=5621 

Auch nach 100 Jahren begeistert die Tiroler Zugspitzbahn ihre Besucher mit modernster Technik und spektakulären Ausblicken

Glaziologe Norbert Span erläuter oben die eindrucksvolle Geschichte des Baus©besser länger leben

In wenigen Minuten schweben die Kabinen vom Ehrwalder Obermoos auf fast 3.000 Meter Höhe. Oben eröffnet sich ein einzigartiges Panorama mit Blick auf vier Länder und hunderte Alpengipfel – ein Erlebnis, das Generationen von Bergfreunden fasziniert.

Die Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn zeigt eindrucksvoll, was Visionen bewirken können. Sie erinnert an den Mut ihrer Erbauer, an die außergewöhnliche Leistung der Ingenieure und vor allem an Dr. Hermann Stern, dessen Weitblick dieses Jahrhundertprojekt überhaupt erst möglich machte. Sein Vermächtnis lebt bis heute weiter – in einer Bahn, die längst zu einem Wahrzeichen Tirols geworden ist und auch in Zukunft Menschen für die Schönheit der Alpen begeistern wird.

Ganz oben muss man sich die neugestaltete Ausstellung „Faszination Zugspitze“ und im Tal das „Bahnorama anno 1926“ unbedingt ansehen. Es verdeutlicht mit Bildern, Videos und Originalexemplaren aus der damaligen Zeit die technische Meiserleistung.

Theater macht Geschichte lebendig

Zum 100-jahrigen Jubiläum der Tiroler Zugspitzbahn wird die Geschichte ihrer Entstehung nicht nur in Ausstellungen und Festveranstaltungen erzählt, sondern auch auf der Theaterbühne. Mit dem eigens für das Jubiläum geschriebenen Stück „Sterntaler für die Zugspitze – Die Geburt der Himmelsstürmerin“ widmet sich die Ehrwalder Theatergruppe Die Kulissenschieber dem Leben und Wirken von Dr. Hermann Stern – jenem Visionär, ohne dessen Mut und Beharrlichkeit die Tiroler Zugspitzbahn wohl nie verwirklicht worden wäre. Das Stück verbindet historische Fakten mit persönlichen Schicksalen und zeigt Stern nicht nur als erfolgreichen Wirtschaftspionier, sondern auch als Menschen, der während der NS-Zeit verfolgt, enteignet und schließlich deportiert wurde. Damit schlägt die Inszenierung den Bogen zwischen technischer Pionierleistung, regionaler Geschichte und menschlichem Schicksal.

Verantwortlich für Text und Regie zeichnet Claudia Lang-Forcher, eine renommierte Autorin und Theatermacherin, die sich seit vielen Jahren historischen Stoffen und Biografien aus dem Alpenraum widmet. Mit Werken wie Die wahre Geierwally, Die Schwabenkinder oder Stücken über bedeutende Persönlichkeiten der Regionalgeschichte hat sie sich weit über Tirol hinaus einen Namen gemacht.

Für „Sterntaler für die Zugspitze“ recherchierte sie die Geschichte Dr. Hermann Sterns intensiv und verwandelte sie in ein emotionales Theatererlebnis, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Die Recherche war nicht immer einfach, denn es gab nicht viel über die damaligen Ereignisse rund um Dr. Stern.

Die Aufführungen im Ehrwalder Zugspitzsaal  bilden einen kulturellen Höhepunkt des Jubiläumsjahres und setzen dem außergewöhnlichen Lebenswerk Hermann Sterns ein würdiges Denkmal und sind noch bis 29. August zu besuchen.

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