Wir reagiert die Reisebranche auf die COVID-19 Krise?

Alle hoffen auf bessere Zeiten

Dr. Yvette Polasek Foto©CTA

Dazu im Exklusivgespräch die Präsidentin von Corps Touristique Austria (CTA), Frau Dr. Yvette Polasek.

CTA ist die Vereinigung der internationalen und nationalen Tourismusorganisationen und Vertretungen in Österreich.

besser länger leben: Wie geht es der Vereinigung der internationalen und nationalen Tourismusorganisationen und Vertretungen im Moment, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Tourismuswirtschaft?

Polasek: Die Corona-Krise betrifft natürlich auch unsere Mitglieder. Von der jetzigen Situation sind sowohl die 33 ordentlichen als auch alle außerordentlichen Mitglieder mit voller Wucht betroffen. Die Tourismusvertretungen haben genauso wie zahlreiche Firmen in anderen Branchenzweigen ihre Werbekampagnen gestoppt und auf Eis gelegt, alle geplanten Veranstaltungen und Marketingaktivitäten abgesagt respektive wo es möglich war, wurde auf einen späteren Termin verschoben. Zudem sind unsere Kollegen ins Home Office gewechselt, wo es möglich war.

Durch Reiseverbote, Grenzsperrungen und stillgelegte Flugverbindungen ist die Tourismuswirtschaft zurzeit zum Erliegen gekommen, was aber nicht bedeutet, dass im Hintergrund nicht fleißig gearbeitet wird. Im Gegenteil – Tour Operatoren und Reisebüros arbeiten mit vollem Einsatz, um österreichische Touristen sicher nach Hause zu bringen, Reisen zu verschieben oder abzusagen und Stornierungen durchzuführen, während ihnen die Umsätze wegbrechen und sie im Moment gar keine Einnahmen haben, im Gegenteil eher Kosten.

Wir Fremdenverkehrsämter hatten gerade zu Beginn der Corona-Krise viel Informationstätigkeit gegenüber unseren touristischen Partnern und in Richtung Öffentlichkeit, nun laufen im Hintergrund Planungsprozesse für die Zeit nach Corona, denn dies wird vor allem eine Zeit sein, wo Vertrauensbildung in den Tourismus und in unsere Destinationen notwendig sein wird.

CTA Mitgliedervertreter*innen

besser länger leben: Reisen ist Erleben, Urlaub, Genießen, vor Ort sein und nicht im Internet. Alles ist im Moment auf Video Chat ausgerichtet – wie geht damit der Tourismus um?

Polasek: Das Internet hat u. a. in letzter Zeit Reisestimmung vermittelt und als Informationsquelle gedient, Reisen wurden aber wieder verstärkt in Reisebüros und bei Veranstaltern gebucht. Nachdem nun aber sehr viele Menschen krisenbedingt zu Hause sind und mehr Zeit zur Verfügung haben, hat sich das Reisen zurzeit ins Internet verlegt. Man liest viel von virtuellem Reisen und hört vom Reisen in Gedanken. Es ist ein Versuch, in dieser Zeit neben den traurigen und bestürzenden Nachrichten auch positive, stimmungsvolle Bilder heraufzubeschwören, bis es die allgemeine Situation wieder zulässt, ohne erhöhtes Gesundheitsrisiko unbeschwert auf Reisen gehen zu können.

besser länger leben: Kann man derzeit schon die wirtschaftlichen Probleme und Konsequenzen im Tourismus absehen und was wird alles noch passieren?

Polasek: Zu diesem Zeitpunkt ist es schwierig vorherzusehen, wie groß der verursachte Schaden am Ende sein wird, umso mehr, weil man noch nicht genau sagen kann, wie lang die Situation dauern wird, bis alles wieder seinen normalen Ablauf nimmt. Es ist noch nicht möglich, die genauen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Tourismusbranche heute bereits in Zahlen abzuschätzen, aber die Anzahl der Stornierungen und die globale Entwicklung machen deutlich, dass die Situation dramatisch ist. Jede Prognose hier wäre aber ein Blick in eine Glaskugel. Dies hängt sehr stark davon ab, wie sich die Corona-Situation weiterentwickelt und welche Maßnahmen von unserer Regierung als auch von den anderen Staaten angeordnet werden. Für eine präzise Antwort ist es im Moment noch zu früh.

Hier kommen natürlich aber auch noch andere Faktoren ins Spiel. Man wird erst sehen müssen, ob bzw. wie sehr die Kaufkraft der Reisenden geschwächt sein wird, wie groß der Schaden der Transportunternehmer (Airlines, Bahn, Busunternehmen, Schiffe/Reedereien, u. s. w.) sein wird, denn all diese Probleme bilden ein weiteres Handicap für unsere Branche.

besser länger leben: AUSTRIAN Airline-Chef Alexis von Hoensbroech sagte erst vor ein paar Tagen: Jetzt richten wir den Blick nach vorne und bereiten uns darauf vor, den Flugbetrieb nach dem Corona-bedingten Stillstand möglichst bald wieder hochzufahren.“

Wie sehen die Situation die CORPS TOURISTIQUE Mitgliedern und den einzelnen Ländervertretern, herrscht Resignation oder Hoffnung auf Wiederbelebung.

Polasek: Wir sind uns natürlich bewusst, dass die Zeit nach Corona schwierig sein wird. Eine der Aufgaben von uns Tourist Boards wird es sein, die österreichischen Reiseveranstalter und Reisebüros im Rahmen unserer Möglichkeiten bestmöglich zu unterstützen, sodass der Outgoing Tourismus schnell wieder in Schwung kommt. Andererseits wird eine unserer Aufgabe darin liegen, das Vertrauen in unsere Destinationen wieder zu stärken, vor allem in jene Destinationen, die von Corona am stärksten betroffen sein werden. Wir werden uns mit all unseren Kräften und zur Verfügung stehenden Mitteln bemühen, die Reisefreudigkeit und Reiselust der ÖsterreicherInnen zu stärken. Wir alle werden uns freuen, wenn die Menschen wieder sowohl im Inland als auch ins Ausland reisen können. Tourismus kann Regionen, die von der Pandemie schwer getroffenen sind, nach Abklingen der Corona-Krise ein wenig Unterstützung und Hoffnung geben. Wir müssen jetzt mehr denn je, alle zusammenhalten. Dies war stets unsere Vereinsphilosophie, die wir jetzt umso stärker hochhalten und leben.

besser länger leben: Fast alle arbeiten im Moment im Homeoffice, fürchten Sie nicht, dass diese Situation bleibt und dadurch erst recht wieder der Tourismus insgesamt damit geschwächt wird?

Polasek: Die österreichische Bundesregierung hat vor mehr als zwei Wochen, inzwischen werden es wohl schon drei Wochen sein, an alle Unternehmen appelliert, ihren Mitarbeitern Home Office zu ermöglichen, wo es machbar ist. Solange es notwendig ist und zur Virus-Eindämmung beträgt, werden wir dies auch machen. Nachdem manche Tourist Boards auch keinen direkten Kundenverkehr mehr haben, ist dies ohne größere Probleme eine Zeit lang machbar, wenn die technischen Gegebenheiten vorhanden sind.

Andererseits ist die Tourismusbranche ein Wirtschaftszweig, der sehr stark auf zwischenmenschlichen Beziehungen aufgebaut ist. Dies beginnt z. B. bei der persönlichen Beratung und bei Marketingarbeit, die oftmals in kreativen Teams gemeinsam geschieht, bis zu qualitativen Dienstleistungen, die in Tourismusbetrieben erbracht werden. Tourismus ist also ein lebendiger Wirtschaftszweig basierend auf zwischenmenschlichen Kontakten. Deshalb habe ich hier nicht die Befürchtung, dass wir im Home Office bleiben.

besser länger leben: Was wollen und können Sie den Menschen, die derzeit zu Hause sitzen und gerne Reisen und ihren Urlaub buchen wollen, sagen?

Polasek: Vor allem schließe ich mich hier meinen Kollegen der österreichischen Tourismusfachverbände sowie den laufenden Kampagnen diverser Tourismusunternehmen und Ländervertretungen an, die alle die Kernbotschaft in sich tragen: „Sagen Sie Ihren Urlaub nicht ab, verschieben Sie ihn.“

Es ist ganz wichtig, dass wir alle das in unseren Kräften mögliche dazu beitragen, um das Virus einzudämmen. Doch gleichzeitig ist es wichtig, nach vorne zu blicken, für sich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. So stimmt man sich positiv und es gibt einem Kraft in dieser für uns ungewohnten und schweren Zeit. Und es spricht nichts dagegen, jetzt schon mal Reisepläne im Kopf zu machen, um diese dann umzusetzen und zu buchen, sobald es die Umstände wieder zulassen. Die Reisebranche sowie alle unsere Länder freuen sich, sie bald wieder begrüßen zu dürfen! In der Zwischenzeit wünschen wir uns, dass die Menschen gesund bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

3 Kommentare

  1. Mir auch @Janette. Kann mir gut vorstellen, dass vielen Leuten das reisen im Moment stark abgeht und dafür nach der Krise wieder ein starker Anstieg in dieser Richtung statt findet.

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