Wie geht man mit Quarantäne und der Einsamkeit wegen Coronavirus um?

Was tun, wenn man einsam ist

Im Gespräch mit Ingrid Slupetzky, Psychotherapeutin, Coach, Sachverständige für Psychotherapeutische Gutachten.

Im Moment gilt – speziell für ältere Menschen – alle Sozialkontakte zu vermeiden. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass viele ältere Menschen zu Hause allein leben, oder von der Hilfe und Betreuung ihrer Kinder abhängig sind. Diese Menschen trifft es besonders. Wie geht man damit um?

BLL: Alle Sozialkontakte meiden und was soll und kann man tun, wenn einem die „Decke zu Hause auf den Kopf fällt“?

Slupetzky: Was wir zur Zeit als Herausforderung sehen ist die Möglichkeit, uns wieder zurück zu besinnen zur Einfachheit und zu Grundwerten. Es ist eine gute Gelegenheit nachzudenken, welche Prioritäten ich im Leben habe? Außerdem ist Kreativität gefragt und Anregungen finden wir im Internet, bitte nützen sie das! Unlängst hat mir ein Klient erzählt, dass er seine alte Eisenbahn aus dem Keller geholt hat.. :-)) Andere schreiben Tagebücher und sortieren Fotos, die schon ewig irgendwo verstauben.

BLL: Gesellschaftliche Kontakte und nette Gespräche sind gerade für ältere Menschen wichtig, zu welcher Alternative raten Sie?

Slupetzky: Wir müssen uns strikt an die Anweisungen halten, die empfohlen werden. Im Sinne unserer eigenen Gesundheit sind wir gefordert, diese gesellschaftlich schwierige Zeit „durch zu tauchen“. Auch alte Menschen haben Handy und oft auch Internetzugang. Es gibt Chatgruppen die man einrichten kann, um so mit Freunden und Familie verbunden zu sein. Bitte nützen sie das!

BLL: Es gibt zum Glück Telefon, Whats up, Sykpe, so dass man mit seinen Freunden und Kindern kommunizieren kann. Wie oft und in welchen Rhythmus sollte man das machen? Ältere wollen oftmals Junge nicht stören, wer ist in dieser Situation mehr gefordert?

Slupetzky: In fordernden Zeiten ist beobachtbar, dass Familien und Menschen wieder enger zusammen rücken. Denken Sie bitte nicht daran, dass Sie jemanden „stören“ könnten. Wenn es Ihnen ein Anliegen ist, mit Freunden, Kindern oder Enkelkindern Kontakt aufzunehmen, dann tun Sie das bitte. Ein paar ehrliche Worte sind manchmal Balsam auf unserer Seele.

BLL: Keine unnötigen Besuche und Treffen – nicht mal ein kleiner Kaffee mit meiner besten Freundin jeden Mittwoch – klagte uns eine Leserin. Was kann man dagegen tun, um das latente Kommunikationsbedürfnis doch einigermaßen aufrecht zu halten.

Slupetzky: Ich muss mich wiederholen: Bitte beachten Sie die Anweisungen unserer Gesundheitsbehörden! Gerade ältere Menschen sind extrem gefährdet. Sind die Spitäler voll, tritt das Pandemiegesetz in Kraft: Die Jungen werden den Alten in der Behandlung vorgezogen… Diese Vorstellung will ich mir nicht auf der Zunge zergehen lassen.

Was ist im Vergleich dazu der Verzicht auf Kaffee und Tratsch? Bitte informieren Sie sich regelmäßig über die aktuelle Situation. Der Verstand, bzw. das Verstehen hilft uns, Verzicht zu üben. Solidarität ist gefragt.

BLL: Stellen Sie bei ihren Patienten bereits ein Vakuum an Gesprächen und Kontakten fest. Was raten Sie in solchen Fällen?

Slupetzky: Wir beobachten jetzt eher das Gegenteil. Nach kurzer Zeit einer, wir nennen es „Schockwelle“, sind unsere Praxen voll belegt. Die Sorgen der Menschen nehmen zu, nicht nur bei den Alten. Denn die Alten haben Kinder und Kindeskinder. Die Sicherheit bröckelt mehr und mehr, das Urvertrauen sollte gestärkt werden.

Hier auch gleich eine nicht unwichtige Information:

Die ÖGK gestattet Psychotherapie via Telefon/Internet. So ist auch eine psychische Betreuung/Behandlung von zu Hause aus möglich.

BLL: Es gibt Menschen, die ihren Ski- oder Golfurlaub absagen mussten. Nun sollen Sie in den vier Wänden sitzen und können keinen Sport machen. Was raten Sie all den aktiven Junggebliebenen?

Slupetzky: Noch einmal: Wir müssen den Ernst der Situation erkennen. Momentan geht es nicht mehr um persönliches „Bespaßen“ am Golfplatz oder in der Skihütte! Es tut mir leid, wenn ich das in dieser Deutlichkeit sage, ich hoffe Sie verzeihen mir, ich habe Einblick in Daten, die Situation ist ernst. Auf YouTube finden Sie sportliche Anleitungen. Suchen Sie, finden Sie, Fenster auf, Sportschuhe an und los kann es gehen – viel Spaß dabei.

BLL: Wohin kann man sich wenden, wenn einem zu Hause die sprichwörtliche Decke auf den Kopf fällt?

Slupetzky: Bitte schätzen Sie ab, wie wichtig Ihnen externe Hilfe ist. Die Leitungen sind überlastet. Manchmal kann ein Gespräch mit Freunden schon hilfreich sein.

Ansonsten finden Sie unter www.psyonline.at alle Adressen.

SFU – Sigmund Freud Universität

WLP – Wiener Landesverband für Psychotherapie

WGPV – Wiener Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung

Vielen Dank für das Gespräch!

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