Kunstschaffende fordern neuen Dialog

Woche des Dialoges

Vorhang zu. Gabriele-genannt-Gabi-Schoenemann_pixelio.de

PAKT WIEN – Plattform der Häuser darstellender Künste mahnt dringend von der Bundesregierung Dialog mit Kulturschaffenden ein.

Nach neun Wochen des kulturpolitischen Stillstands, endlich wieder gemeinsame Perspektiven zu entwickeln, die von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind und nicht realitätsfremd und nicht abgesprochen an der Kulturbranche vorbei beschlossen werden.

Beispiel gefällig: 100 Besucher*innen in der Praxis schlichtweg nicht umsetzbar

So ist der kurzfristig angekündigte 29. Mai als erster Schritt des Stufenplans zur Wiederöffnung des Veranstaltungsbetriebs für bis zu 100 Besucher*innen in der Praxis schlichtweg nicht umsetzbar.

Weder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Kulturbereich möglich sein werden, ohne Publikum, Künstler*innen oder Mitarbeiter*innen einem Risiko auszusetzen, geklärt, noch wer dafür aufkommen soll und kann. Denn einig sind sich sämtliche Expert*innen auch auf Gesundheitsebene einzig darin, dass die Einhaltung allfälliger Schutzmaßnahmen bei zukünftigen Veranstaltungen nur durch eine massive Erhöhung des organisatorischen, technischen und damit finanziellen Aufwands ermöglicht werden kann.

Woche des Dialogs

An einer entsprechenden Verordnung werde in einer „Woche des Dialogs“ gearbeitet, so von Vizekanzler Werner Kogler sowie Gesundheitsminister Rudolf Anschober am 15. Mai in einer Pressekonferenz zu den Lockerungen im Kulturbereich kommuniziert. „Ziel ist, bis 25.5. die entsprechende Verordnung vorzulegen.“ wie auch auf der Seite des Ministeriums für u.a. Kunst und Kultur zu lesen ist. Wie allerdings die Bestimmungen in der Verordnung für Theaterbetriebe funktionieren sollen, ist völlig unklar, da eine Umsetzung in dieser Kurzfristigkeit in der Praxis unmöglich ist.

Die Wiederaufnahme eines Theaterbetriebes hat eine eigene Logistik und dementsprechende Vorlaufzeiten, wie langfristige Planung, Disposition, Proben, Organisation, PR-Marketing-Vorläufe, technische Spielstätteneinrichtung, Genehmigungsverfahren, u.v.m. Es hängen viele Menschen und deren Arbeitsplätze daran.

„Der Theaterbetrieb ist kein Lichtschalter, den man nach Belieben einfach ein- und ausschalten kann. Eine realisierbare Planung kann daher erst beginnen, wenn die ‚bestimmten Auflagen‘ konkret auf dem Tisch liegen, wobei auch dann noch nicht geklärt ist, wie diese Auflagen zu finanzieren sind. Wir wären sehr gerne mit dem zuständigen Bundesministerium in einen konstruktiven Austausch gegangen, um gemeinsam realisierbare Lösungsszenarien auszuarbeiten. Dazu ist es trotz mehrmaliger Gesprächsangebote von unserer Seite nicht gekommen.Wir blicken daher mit Spannung, aber auch wenig Hoffnung auf die neuerliche Verordnung des Bundes für den Kulturbereich.“ so Richard Schweitzer (Kfm. Leitung brut) für PAKT WIEN.

Die Bestellung der neuen Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer als geschätzte Expertin wird von PAKT WIEN begrüßt, an sie richtet sich der Appell nach Dialog als Erste. Damit die von ihr angekündigte „rasche, unbürokratische Hilfe“ in allen Bereichen der Kultur nicht nur eine Ankündigung bleibt.

Sehen Sie hier im Video, was Wiens Bürgermeister Michael Ludwig dazu meint:

Theater, Museen, Kleinkunst und Konzerte sowie der Film gehören zur DNA der Kulturhauptstadt Wien. Deshalb müsse der Kulturbetrieb in der Stadt nach mehr als neun Wochen ‚Shut-Down‘ – unter sicheren Rahmenbedingungen – wieder hochgefahren werden. Dazu hat die Stadt Wien nun gemeinsam mit Medizinerinnen und Medizinern sowie Kulturschaffenden einen „Leitfaden für den Kulturbetrieb“ erstellt. Präsentiert haben den Entwurf Bürgermeister Michael Ludwig, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker

Wertschöpfung des Kunst- und Kultursektors in Österreich neun Milliarden Euro

Laut jüngsten Studien des WIFO, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung beträgt die Wertschöpfung des Kunst- und Kultursektors in Österreich neun Milliarden Euro, darin sind die Effekte auf den Tourismus nicht enthalten. Der Kultursektor trägt mehr zum BIP bei als die Landwirtschaft bei vergleichbaren Subventionen. Die gesellschaftliche Bedeutung lässt sich erst gar nicht in Zahlen messen; einzig die Wertschätzung auf politischer Ebenen geht teilweise gegen Null, v. a. auch wenn es darum geht, den Corona-bedingten ökonomischen Schaden für den Kulturbereich auszugleichen, welcher lt. WIFO die Milliardengrenze weit überschreiten wird.

©PAKT WIEN ist eine Vereinigung öffentlich geförderter, gemeinnütziger Veranstaltungsbetriebe auf dem Gebiet der zeitgenössischen darstellenden Kunst. Ihr Zweck ist die Zusammenarbeit, der informelle Austausch und die Vernetzung sowie die Vertretung gemeinschaftlicher Interessen nach außen. PAKT WIEN sind:

Brunnenpassage, brut Wien, DAS OFF THEATER, Dschungel Wien, Kosmos Theater, Rabenhof Theater, Schauspielhaus Wien, TAG – Theater an der Gumpendorfer Straße, Tanzquartier Wien, Theater Drachengasse, Theater Nestroyhof / HAMAKOM, Theater SPIELRAUM, WERK X, WERK X-Petersplatz, WUK performing arts und WUK Kinderkultur.

ots

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