Coronavirus-Impfung senkt Long-COVID-Risiken

Boosterimpfung Foto: R_K_B_by_Tim-Reckmann_pixelio.de

Signifikant niedrigeres Risiko für viele Long COVID-Probleme nach Corona-Impfung.

Die Analyse einer retrospektiven Kohortenstudie* auf Basis elektronischer Gesundheitsdaten in den USA zeigte: Nach zwei Impfdosen, also einer vollständigen Coronavirus-Impfung, hatten Personen ein niedrigeres Risiko für die meisten Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion. Dies zeigte sich insbesondere bei Menschen unter 60 Jahren (!!!).

Die Impfung gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich als effektiv gegen Infektionen und vor allem schwere Verläufe einer Coronavirusinfektion erwiesen. Besonders Krankenhausaufenthalte und Tod infolge von COVID-19 können mit einer Impfung meist verhindert werden. Allerdings war bislang nicht ganz klar, ob die Impfung auch wirksam das Risiko weiterer akuter und langfristiger Folgen von COVID-19 (Long COVID) senken kann.

Wie wirksam sind die Impfungen gegen Long COVID?

Dies analysierten Forscher anhand von Daten einer elektronischen Gesundheitsdatenbank in den USA in einer retrospektiven Kohortenstudie. Die Analyse betrachtete die Inzidenzen verschiedener gesundheitlicher Folgen und Verläufe von COVID-19 bei Personen, die mindestens 2 Wochen vor der Coronavirusinfektion eine in den USA zugelassene Coronavirus-Impfung erhalten hatten. Dies wurde im Vergleich zu Personen untersucht, die nicht gegen das Coronavirus, aber gegen Influenza geimpft waren. Die Forscher ermittelten die Erkrankungen, die in den 6 Monaten nach der jeweiligen Coronavirus-Infektion auftraten und verglichen auch Impfungen mit einer oder zwei Impfdosen sowie die Altersgruppen bis und ab 60 Jahren. Bestätigte Infektionen zwischen 1. Januar und 31. August 2021, vor Auftreten der Omikron-Variante, wurden berücksichtigt.

Retrospektive Kohortenstudie über 20 000 Personen mit Coronavirus-Infektion

10 024 geimpfte Personen mit einer Coronavirus-Infektion konnten im Vergleich zu 9 479 vergleichbaren, ungeimpften Personen analysiert werden. Personen, die mindestens eine Corona-Impfstoffdosis erhalten hatten, hatten ein signifikant niedrigeres Risiko für Atemversagen, Einweisung auf die Intensivstation, Intubierung oder Beatmung, Hypoxämie, Bedarf für zusätzlichen Sauerstoff, Hyperkoagulopathie oder venöse Thromboembolien, Krampfanfälle, psychotische Störungen und Haarverlust (Hazard Ratio, HR: 0,70 – 0,83, p < 0,05). Andere Symptome von Long COVID hingegen, wie Nierenerkrankungen, Stimmungsprobleme und Ängste sowie Schlafstörungen, wurden mit nur einer Impfdosis nicht effektiv verhindert. Personen, die zwei Impfdosen, also eine vollständige Coronavirus-Impfung, erhalten hatten, hatten ein niedrigeres Risiko für die meisten Folgen der Coronavirus-Infektion. Dies zeigte sich besonders bei Personen im Alter von bis 60 Jahren.

Impfung senkt Risiko für viele Long COVID-Probleme signifikant

Zusammenfassend senkte die Coronavirus-Impfung das Risiko für eine große Zahl gesundheitlicher Folgen von COVID-19. Dies ergänzt die Wirksamkeit der Impfstoffe gegenüber der Entwicklung der Erkrankung COVID-19, die bereits vielfach in Impfstoffstudien gezeigt wurde.

Effektive Auffrischung der Antikörperantwort gegen Omikron und andere Virusvarianten nach 3. und 4. COVID-19-Impfung

Viele Argumente sprechen für einen 3. Und/oder 4. Booster: Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der Main-Kinzig-Kliniken haben die Antikörperantwort nach COVID-19-mRNA (Comirnaty)-Impfungen gegenüber verschiedenen SARS-CoV-2-Virusvarianten im zeitlichen Verlauf untersucht. Nach zweifacher Impfung gegen COVID-19 sind die Antikörperspiegel gegenüber der derzeit in Deutschland dominierenden Omikron-Variante gering. mRNA-Auffrischimpfungen erhöhen die Antikörperspiegel gegen Omikron deutlich.

Über die Ergebnisse berichtet Vaccines.

Die nach COVID-19-Impfung im zeitlichen Verlauf nachlassende Immunantwort gegen SARS-CoV-2 sowie das Auftreten von SARS-CoV-2-Varianten führen zu reduziertem Infektionsschutz und Unsicherheiten in der Vorhersage des Schutzes vor schweren Krankheitsverläufen insbesondere nach Infektion mit der Omikron-Variante des SARS-CoV-2.

Ein Forschungsteam der Abteilung Virologie und der Abteilung Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten des Paul-Ehrlich-Instituts sowie der Main-Kinzig-Kliniken unter Leitung von Prof. Eberhard Hildt, Leiter der Abteilung Virologie des Paul-Ehrlich-Instituts, untersuchten die Antikörperantwort nach COVID-19-Impfungen. Dabei ermittelten sie den Anstieg der Blutspiegel (Titer) der Antikörper nach Auffrischimpfung(en) und die Abnahme der Titer gegenüber SARS-CoV-2-Varianten mit der Zeit nach Impfung. Zusätzlich zum Nachweis bindender und neutralisierender Titer wurde auch die Veränderung der Affinität – also die Stabilität – der Antikörperbindung an das Spikeprotein verschiedener Virusvarianten im Zeitverlauf untersucht.

Zwei Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty führten nicht zur adäquaten Bildung neutralisierender Antikörper gegen die aktuell dominierende Omikron-Variante. Eine erste Auffrischungsimpfung (Booster) erhöhte dagegen die Spiegel von IgG- und IgA-Antikörpern, die gegen die Rezeptorbindungsdomäne der Virusvariante Omikron gerichtet sind, sowie deren Virus-neutralisierende Kapazität. Zwar waren fünf bis sechs Monate nach der dritten Impfung weiter Omikron-Spikeprotein-bindende Antikörper nachweisbar, aber in 36 Prozent der untersuchten Seren wurden keine Omikron-neutralisierenden Antikörper mehr detektiert. Dagegen konnten alle Seren die Delta-Variante, die im vergangenen Jahr in Deutschland weit verbreitet war, effizient neutralisieren.

Eine zweite Auffrischimpfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty – was der vierten COVID-19-Impfung entspricht – sorgte erneut für einen deutlich Anstieg Omikron-, Delta- und Wuhan-neutralisierender Antikörper.

Beim Vergleich der verschiedenen Impfstrategien bei der Grundimmunisierung (homologe Impfung mit ausschließlich Comirnaty oder Kombination Vaxzevria (AstraZeneca) und Comirnaty) zeigte sich kein Unterschied im Hinblick auf die Breite der Immunantwort nach Booster-Impfung.

© DGP

* Kohortenstudie: Eine Kohorte ist eine Gruppe von Personen, die über eine definierte Zeitspanne beobachtet wird, um zum Beispiel das Auftreten einer bestimmten Erkrankung festzustellen. Kohortenstudien können prospektiv (vorausschauend) oder retrospektiv (rückblickend) durchgeführt werden.

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